• „Möglicherweise werde ich tot im Wald gefunden“ Waffeninspekteur Kelly deutete schon vor Irak-Krieg Selbstmord an

Politik : „Möglicherweise werde ich tot im Wald gefunden“ Waffeninspekteur Kelly deutete schon vor Irak-Krieg Selbstmord an

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London (dpa). Der britische Premierminister Tony Blair und sein Verteidigungsminister Geoff Hoon werden in der kommenden Woche vor dem Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der KellyAffäre aussagen. Das sagte der Ausschussvorsitzende, Lordrichter Brian Hutton, am Donnerstag in London. Unterdessen sagte ein Zeuge aus, der Waffenexperte David Kelly habe seinen Selbstmord bereits vor dem Krieg gegen den Irak angedeutet.

Kelly hatte sich am 17. Juli das Leben genommen, nachdem er wenige Tage zuvor als Quelle für einen umstrittenen Bericht des Senders BBC identifiziert worden war. In dem Bericht war der Regierung vorgeworfen worden, das Dossier über die Massenvernichtungswaffen des Irak vom September 2002 „aufgebauscht“ zu haben. Kelly selbst hatte offenbar bereits vor dem Irak-Krieg von seinem möglichen Freitod gesprochen. David Broucher, Beamter im Londoner Außenministerium, sagte am Donnerstag vor dem Ausschuss, er habe den früheren UN-Waffeninspekteur im Februar in Genf getroffen. Dort habe Kelly ihm auf die Frage, was geschehe, wenn der Irak angegriffen werde, geantwortet: „Möglicherweise werde ich tot im Wald gefunden werden.“ Nach den Angaben befand sich Kelly, der die UN-Waffeninspektionen im Irak für angemessen und ausreichend hielt, hinsichtlich des möglichen Krieges in einem „moralischen Zwiespalt“. Denn er habe den Irakern versichert, dass ihr Land nicht angegriffen werde, wenn sie mit den Inspekteuren der Vereinten Nationen konstruktiv zusammenarbeiten würden, sagte Broucher.

Offenbar nahm Verteidigungsminister Geoff Hoon Einfluss auf die öffentliche Befragung Kellys. Hoon habe von der Parlamentskommission gefordert, dass sich Kelly nicht zur Frage der Massenvernichtungswaffen und zur Vorbereitung des umstrittenen Regierungsdossiers äußern müsse, sagte der Kommissionsvorsitzende Donald Anderson.

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