Politik : Möllemann besucht Clement - und die Grünen schauen ängstlich zu

Jürgen Zurheide

Eigentlich wollte Wolfgang Clement auf diese Geste verzichten. Er war gegen Mittag mit Jürgen Möllemann verabredet und es war eines jener Gespräche, die der amtierende Ministerpräsident noch am Wahlabend angekündigt hatte. Jürgen Möllemann sollte mit dem Glasaufzug zu ihm in die zehnte Etage des Düsseldorfer Stadttores in sein Arbeitszimmer kommen; ohne Journalisten lautete die ursprüngliche Planung. Doch im letzten Moment überlegte es sich der Regierungschef anders. Freudig lächelnd holte er Jürgen Möllemann vor der Tür ab und die Kameraleute hatten schöne Bilder der beiden möglichen Koalitionspartner. Ob das nun irgendein Signal sei, wurde Clement gefragt, doch der zog nur die Augenbrauen hoch und schüttelte den Kopf.

Hinter den Kulissen wissen allerdings nicht wenige in der Landeshauptstadt, dass sich Clement am Dienstag in der Kabinettssitzung wieder über Bärbel Höhn, seine grüne Umweltministerin geärgert hat. Vor den Kameras hatte sie ja auch schon mal darüber nachgedacht, dass die neue rot-grüne Koalition in Düsseldorf, wenn sie denn zustande kommen sollte, anders agieren muß, als man das in den vergangenen fünf Jahren getan hat. "Wir dürfen die Fehler nicht wiederholen", hatte sie öffentlich gesagt. In der Kabinettsrunde blickten sich die sozialdemokratischen Minister allerdings eher peinlich berührt an, weil niemand das Gefühl hatte, dass ihre grüne Kollegin etwas ändern will. "Die blockiert weiter", ließ sich einer zitieren. Zu allem Überfluß hatte Bärbel Höhn auch noch streuen lassen, dass sie wieder Umweltministerin werden wolle und nicht daran denke, irgendwelche Kompetenzen abzugeben. Dabei ist in Düsseldorf längst ein offenes Geheimnis, dass die Landesplanung zurück in die Staatskanzlei soll.

Auch den Grünen ist nicht entgangen, dass Bärbel Höhn die Kernbedingung von Wolfgang Clement kaum erfüllen wird. "Genehmigungsverfahren dürfen nicht mehr politisiert werden", hatte Clement ausgerufen und jeder wußte, dass er Frau Höhn damit meinte. Weil etliche Grüne das inzwischen ähnlich sehen, sie aber einen Gesichtsverlust für ihre Vorkämpferin vermeiden wollen, denken sie intensiv über andere Angebote für die Oberhausenerin nach - bislang ohne Ergebnis.

Vor diesem Hintergrund hat sich Clement gut 90 Minuten für Möllemann genommen. "Da kann man gut essen", verkündete eine sichtlich gut gelaunter Jürgen Möllemann nachher und füge noch an, "richtig ist, dass genügend Gemeinsamkeiten gestaltet werden könnten". Und danach zeigte sich Möllemann ungewohnt geduldig: "Ich weiß, dass Wolfgang Clement am Wochenende erst mit den Grünen reden muß."Weiteres unter www.meinberlin.de/FDP-NRW

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