Politik : „Möllemann kann nicht verlieren“

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Berlin. Die harsche Kritik Möllemanns an prominenten Altmitgliedern seiner Partei und seine neuen Attacken gegen Michel Friedman haben heftige Reaktionen in den Parteien ausgelöst. Ex-Innenminister Gerhart Baum sagte, Möllemann solle jetzt endlich aufhören, sonst bringe er die Parteiführung erneut in Schwierigkeiten. „Diese schwere Krise der Partei ist noch längst nicht ausgestanden“, sagte Baum, den Möllemann als „Querulant“ bezeichnet hatte. Möllemanns jüngste Äußerungen bestätigten seinen eigenen Einsatz gegen einen Richtungswechsel der Liberalen. „Er greift uns an, weil wir bestimmte Werte hoch halten.“ Offenbar könne Möllemann nicht verlieren.

Otto Graf Lambsdorff bedauerte Möllemanns neuerliche Attacke gegen Friedman. „Ich empfehle dem FDP-Vize, Fußball-Weltmeisterschaft zu gucken. Da ist Nachtreten auch verboten“, sagte der Ehrenvorsitzende dem Tagesspiegel. Er verstehe zwar den Ärger Möllemanns, denn dieser habe eine politische Niederlage erlitten. Dennoch müsse er sich einfach besser unter Kontrolle haben. „Das fällt ihm offenkundig schwer.“

Auf Möllemann will Lambsdorff indes nicht verzichten: „Er ist ein politisches Talent, und wir brauchen ihn für den Wahlkampf, dem wir uns jetzt wieder zuwenden müssen.“ Lambsdorff betonte aber auch, dass die „Hackordnung“ in der FDP klar sei: „Westerwelle ist die Nummer Eins." Generalsekretärin Pieper forderte Möllemann auf, sich zu entschuldigen. Die Jüdische Gemeinde Frankfurt bezeichnete Möllemann in einer Stellungnahme als „unbelehrbar und hasserfüllt“, nachdem der NRW-FDP-Chef Friedman ausdrücklich von seiner Entschuldigung bei „jüdischen Menschen“ ausgenommen hatte.

Der Fraktionschef der Kieler FDP, Kubicki, verteidigte Möllemann. Dessen Kritik sei „in der jetzigen Situation zwar unglücklich, in der Sache aber zutreffend". Möllemann bleibe „einer unserer stärksten Wahlkampfmatadore“ und damit „unverzichtbar“ für die FDP. Ganz anders sieht das die Alt-Liberale Hildegard Hamm-Brücher. Sie forderte Möllemanns Ablösung als FDP-Bundes-Vize. Nur so könne in die Partei wieder Geschlossenheit einkehren.

Unions-Fraktionsvize Bosbach sagte, für die CDU/CSU sei Möllemann „eine Zumutung". In Unionskreisen hieß es, ein Minister Möllemann in einer Stoiber-Regierung sei unvorstellbar, und die FDP werde eine Regierungsbeteiligung wohl kaum von einem Kabinettsposten für Möllemann abhängig machen. CSU-Landesgruppenchef Glos sagte, Möllemann als Vize zu haben sei „das Fegefeuer vorweggenommen".

In der SPD wurde von einer perfiden Strategie Möllemanns gesprochen. Verteidigungsminister Scharping nannte ihn eine Belastung für Deutschlands Ansehen. Noch nie sei er so offen auf die deutsche Innenpolitik angesprochen worden wie bei einer Nato-Tagung am Donnerstag in Brüssel.

Robert v. Rimscha, Christian Böhme

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