Politik : Möllemann stürzt in den Tod

Absprung mit Fallschirm – Staatsanwaltschaft schließt Selbstmord nicht aus / Häuser und Büros durchsucht

Robert von Rimscha

Berlin. Jürgen W. Möllemann ist tot. Der Ex-Minister und langjährige FDP-Politiker, der in den letzten Jahren immer wieder Aufsehen erregte, stürzte sich bei einem Fallschirmspringen am Donnerstag offenbar bewusst in den Tod. Zur gleichen Zeit durchsuchte die Staatsanwaltschaft in einer groß angelegten Aktion Häuser und Geschäftsräume Möllemanns. Der Bundestag hatte zuvor seine Immunität aufgehoben. Die genauen Umstände des Todes von Möllemann wurden am Abend noch von der Polizei untersucht. Politiker aller Parteien äußerten sich bestürzt. Am Reichstag und den Regierungsgebäuden wurden Flaggen auf Halbmast gesetzt.

Möllemann war mittags vom Flugplatz Loemühle bei Marl aus gestartet. Wegen schlechten Wetters war das Springen von Mittwoch auf Donnerstag verschoben worden. Möllemann sprang als Letzter oder Vorletzter aus rund 4000 Metern Höhe ab. Augenzeugen berichteten, Möllemann habe seinen Hauptschirm geöffnet, ihn in knapp 1000 Metern Höhe aber abgeworfen. Seinen Reserveschirm benutzte Möllemann nicht. Einen Abschiedsbrief hinterließ Möllemann offenbar nicht. Der Recklinghausener Oberstaatsanwalt Wolfgang Reinecke erklärte, es sei noch unklar, ob der Tod Möllemanns auf einen Unfall, auf Selbstmord oder Fremdverschulden zurückzuführen sei. Die Staatsanwaltschaften Düsseldorf und Münster hatten am Vormittag in 25 Häusern und Büros in vier Staaten nach Belegen für den Verdacht des Betrugs und der Steuerhinterziehung gesucht. Unklar ist weiter die Finanzierung des Flugblatts, das Möllemann für den Wahlkampf 2002 hatte drucken lassen. Die Durchsuchungen seien sofort abgebrochen worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster nach der Todesnachricht.

Kanzler Gerhard Schröder sagte, er habe Möllemann als Menschen gerade deshalb geschätzt, weil „er es einem nicht besonders leicht gemacht hat“. FDP-Parteichef Guido Westerwelle reagierte „mit tiefer Betroffenheit“. Jetzt gehe es nicht um politische Differenzen, sondern um Anteilnahme. Möllemanns politischer Ziehvater Hans-Dietrich Genscher erinnerte an die Zeiten, „als wir eng freundschaftlich verbunden waren“. Möllemann sei „ein Mann, mit dem ich einen langen, langen Weg gegangen bin – das alles bleibt“. Der 57-Jährige war von 1970 bis März 2003 FDP-Mitglied. In der Kohl-Ära war er Staatsminister im Außenamt, Bildungsminister, Wirtschaftsminister und Vize-Kanzler.

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