Mönchsprotest in Birma : Zeit zu Glauben

Die buddhistischen Mönche sind in Birma die Anführer des Protests gegen das Regime. Welche Rolle spielt das Mönchtum in der dortigen Gesellschaft?

Martin Gehlen
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Protestierender Mönch unter Demonstranten in der Stadt Yangon. -

Barfuß, kahl geschoren und in ziegelrote Gewänder gehüllt – seit Wochen prägen buddhistische Mönche die Bilder des friedlichen Protests in Birma. Anders als gegen politische Oppositionelle, wagt das Militärregime bisher nicht, mit offener Gewalt einzuschreiten. Denn die Mönche genießen in der birmanischen Gesellschaft hohes Ansehen. Sie gelten in dem tief religiösen Land als Wächter des Buddhismus, die Menschen verehren sie als Lehrer und Vorbilder und respektieren sie als wichtigste moralische Instanz.

Von den 54 Millionen Einwohnern Birmas leben mindestens 400 000 als Mönche, das sind zehnmal mehr als in Deutschland. Das buddhistische Ordensleben ist streng asketisch. Wie im Christentum begann auch die buddhistische Mönchstradition zunächst mit dem Auftreten von Wandermönchen, die als Einzelgänger ihren Lebensunterhalt von Almosen bestritten. Später bildeten sich Gemeinschaftsformen heraus. Allerdings gibt es im Buddhismus im Unterschied zum Christentum nur drei große Ordenslinien, die Theravada-Linie, der die birmanischen Klöster angehören, die tibetische Linie und die chinesische Linie.

Wer einem buddhistischen Orden beitreten will, kann dies lebenslang oder auf Zeit tun. Für vollordinierte Mönche gelten 227, für vollordinierte Nonnen 311 Regeln. Die Mehrheit der Klosterinsassen sind jedoch Mitglieder auf Zeit, sogenannte Novizen, die nur zehn Regeln befolgen müssen – über das Sammeln von Almosen, das Gemeinschaftsleben, den Umgang mit dem anderen Geschlecht und den Kontakt mit Nichtmönchen.

Als Novize für eine gewisse Zeit ins Kloster zu gehen, gehört in Birma zu den religiösen Pflichten junger Leute. Viele beginnen ihre spirituelle Ausbildung schon während der Pubertät und treten dann später vor der Hochzeit erneut für einige Zeit dem Orden bei. Nahezu jede Familie hat also zeitweise mindestens ein Mitglied im Kloster.

In den 40er Jahren standen die birmanischen Mönche beim Widerstand gegen die britischen Kolonialherren in der ersten Reihe. „Wir haben die Engländer angegriffen, damit sie gingen“, erzählte der angesehene 90-jährige Mönch Sayadaw erst kürzlich in einem Interview mit dem amerikanischen Sender Radio Free Asia. „Ich war dabei, gut 20 Jahre alt.“ Auch an den Protesten 1988 waren die Mönche beteiligt. Das Regime von Birma schlug den Aufstand brutal nieder. Unter den schätzungsweise 3000 Opfern damals waren zahlreiche Mönche.

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