Mohammed-Karikaturen : Prozess gegen Satiremagazin in Paris

Ein Jahr nach Veröffentlichung umstrittener Mohammed-Karikaturen hat ein Prozess gegen das französische Satireblatt "Charlie Hebdo" begonnen. Die linksliberale Tageszeitung "Libération" druckte die Zeichnungen aus Solidarität ab.

Paris - Mit der erneuten Publikation solle die Pressefreiheit verteidigt und Solidarität mit dem Satiremagazin "Charlie Hebdo" gezeigt werden, sagte der Vize-Chefredakteur von "Libération", Renaud Dely. "Libération" brachte alle zwölf Karikaturen, die ursprünglich in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" erschienen waren und bei Muslimen weltweit Empörung hervorgerufen hatten. Die Titelseite zeigt einen bärtigen Mann mit Turban, der mit einer Axt einen überdimensionalen Bleistift fällen will.

"Charlie Hebdo" hatte im Februar 2006 die "Jyllands-Posten"-Karikaturen abgedruckt und eigene Karikaturen hinzugefügt. Die französische Union islamischer Organisationen (UOIF) und die Große Moschee von Paris hatten das Wochenblatt daraufhin wegen "öffentlicher Beleidigung einer Personengruppe wegen ihrer Religion" verklagt. Dem Chefredakteur von "Charlie Hebdo", Philippe Val, drohen bei einer Verurteilung durch das Straftribunal von Paris bis zu sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von maximal 22.500 Euro. In Dänemark war ein ähnliches Verfahren im Oktober mit Freisprüchen für die Verantwortlichen bei "Jyllands-Posten" ausgegangen.

Konkret geht es in dem Pariser Prozess um zwei dänische Karikaturen und eine Eigenproduktion von "Charlie Hebdo"-Zeichner Cabu: Letztere zeigt den Propheten Mohammed neben dem Text "Mohammed von Fundamentalisten überrannt" und mit der Sprechblase "Es ist schwer, von Schwachköpfen geliebt zu werden." Bei den dänischen Produktionen geht es um die Zeichnung der im Paradies eintreffenden Selbstmordattentäter ("Stopp, Stopp, wir haben keine Jungfrauen mehr") sowie um die Karikatur des Propheten mit Dynamitstange im Turban. Die Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" stellte sich in einer Mitteilung "bedingungslos" hinter das Magazin. (tso/AFP/dpa)

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