Mohammed-Karikaturen : Streit um Minister Calderoli in Rom

In Italien ist nach den gewaltsamen anti-italienischen Protesten in der libyschen Stadt Bengasi ein Streit um Reformminister Roberto Calderoli entbrannt. Calderoli hatte öffentlich T-Shirts mit Mohammed-Karikaturen getragen.

Rom/Tripolis - Der Politiker der rechtspopulistischen Liga Nord gilt als Auslöser der Ausschreitungen vom Freitag mit elf Toten, weil er in der vergangenen Woche provokativ T-Shirts mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen getragen hatte.

Rücktrittsforderungen der Regierung wies Calderoli zunächst zurück: "Die Rücktrittforderungen interessieren mich relativ wenig. Man hatte mich schon in der vergangenen Woche dazu aufgefordert und ich bin nicht zurückgetreten", sagte der Politiker der Zeitung "La Repubblica" (Samstagausgabe). In der Nacht räumte er gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa jedoch ein, dass er zurücktreten werde, falls er aus der islamischen Welt ein Signal bekomme, dass dieser Schritt für den Dialog hilfreich sei.

Der italienische Außenminister Gianfranco Fini erklärte, wenn Calderoli nicht freiwillig zurücktrete, müsse Ministerpräsident Silvio Berlusconi ihn seines Amtes entheben. Berlusconi betonte, die Initiative Calderolis sei mit der Linie seiner Regierung unvereinbar. Eine Krise im Verhältnis zur Liga Nord käme für den Regierungschef zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Im April stehen in Italien Parlamentswahlen an und die Liga Nord ist einer der wichtigsten Koalitionspartner Berlusconis.

Bei den Ausschreitungen soll die libysche Polizei das Feuer auf Demonstranten eröffnet haben, als diese die Absperrungen vor dem italienischen Konsulat in Bengasi durchbrachen. Berlusconi drückte im Namen der Regierung und des gesamten italienischen Volkes seinen "tiefen Schmerz über die tragischen Ereignisse" aus. (tso/dpa)

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