Politik : Mohammed Reza Chatami an der Spitze - der kleine Bruder des Präsidenten

Dorranie Kianouche

Gern gibt Mohammed Reza Chatami den kleinen Bruder. "Ich bin wirklich enorm von seinen Ideen beeinflusst worden", sagt der Arzt aus Teheran über seinen älteren Bruder, den iranischen Präsidenten Mohammed Chatami. Dabei ist der 40-jährige auf dem besten Wege, aus dem Schatten des reformorientierten Staatsoberhaupts herauszutreten. Bei der Stimmauszählung in der Hauptstadt lag der Präsidentenbruder am Sonntag deutlich in Führung.

Zum Chef der erfolgreichen Partei "Front der Beteiligung" war der Urologe erst nach mehreren Anläufen geworden. Und das auch nur, weil ihr populärer Spitzenkandidat, der ehemalige Innenminister Abdullah Nuri, nicht antreten durfte. Doch in wenigen Wochen wurde der Mann mit dem fast weißen Bart selbst zum Vorbild für die jungen Iraner. Sein Ziel: "Die Macht dem Volk zurückzugeben."

Hochrechnungen zufolge konnte sich Mohammad Reza Chatami jetzt seinen Wahlkreis Teheran schon im ersten Anlauf gegen neun Kandidaten sichern. Dabei hatte die "Front der Beteiligung" selbst nach dem Aus der konservativen Wahlkommission für den Reformer Nuri nicht hundertprozentig hinter dem Youngster gestanden. Bei einer Pressekonferenz nannte ihre Führung erst einen anderen Spitzenkandidaten und kam erst später auf Chatami zurück. Beobachtern zufolge könnte der zunächst Verschmähte jetzt sogar Parlamentspräsident werden. Um bei den Wahlen antreten zu können, hatte er eigens sein Amt als stellvertretender Gesundheitsminister aufgegeben.

Um dem Bild vom unerfahrenen Politiker entgegen zu wirken, erzählt Chatami, er sei bereits vor der Zeit der Islamischen Revolution 1979 politisch sehr aktiv gewesen. Danach habe er am Krieg gegen den Nachbarn Irak teilgenommen, wo er am Bein verletzt worden sei, wie er betont. Doch jetzt blicke er in die Zukunft, sagt der elegante Mann, der genau wie sein älterer Bruder von der Beliebtheit seines Vaters, eines bedeutenden Geistlichen, profitiert. "Wir wollen die Demokratie in Iran institutionalisieren, dies ist unser wichtigstes Ziel".

Dabei hält er sich genau wie sein älterer Bruder bei der Außenpolitik eher bedeckt. Die Beziehungen zu anderen Ländern, wie den USA, hätten keine Priorität, sagt der Vater von zwei Kindern, der genauso gut Arabisch wie Englisch spricht. Erst einmal brauche das Land Reformen. Dass diese auch von den einflussreichen konservativen Kräften nicht mehr zu stoppen sind, daran glaubt er fest.

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