Mon Berlin : Trump Tower und andere namhafte Bausünden

Ein Plagiat von Versailles – Gold auf Gold, Kristall und Marmor, protzig, teuer - erbaut von nach sich selbst benannt von Donald Trump. Was soll man von so etwas halten? Eine Kolumne

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Der Trump Tower in der 5th Avenue, New York.
Der Trump Tower in der 5th Avenue, New York.Foto: AFP

Was bewegt einen Mann dazu, einen 202 Meter hohen, in den Himmel über Manhattan ragenden, güldenen Phallus zu errichten? Zu seinem eigenen Ruhm. Und als reichte das Symbol nicht, um der ganzen Welt zu beweisen, wie mächtig man sich fühlt, gibt man ihm noch seinen eigenen Namen. Trump Tower.
Maßlose Eitelkeit? Der Wunsch, sich unsterblich zu machen? Ein exhibitionistisches Bedürfnis danach, seine eigene Potenz zur Schau zu stellen? Oder einfach nur schlechter Geschmack eines Parvenüs, dem sein Reichtum nie genug sein kann? All diese Interpretationen sind möglich, und noch viele mehr. Donald Trump setzte mitten ins Zentrum New Yorks ein Plagiat von Versailles – Gold auf Gold, Kristall und Marmor, protzig, teuer, pseudoschick. Understatement ist unbekannt, vor allem in den obersten Etagen, wo sich auch Donald Trumps Privatwohnung – pardon, Penthouse-Mansion, befindet, eingerichtet im Stile Louis XIV. Neben Trump Tower wirkt das Schloss unseres Sonnenkönigs wie eine nüchterne Waldhütte.
Ein Gebäude nach einer Person zu benennen ist eine Art, ihr zu huldigen. Nur sind es üblicherweise die anderen, die einem dieses Privileg zugestehen. Meistens posthum. Das Centre Pompidou und die Bibliothèque François Mitterrand etwa. Zwei bemerkenswerte Mausoleen im Herzen von Paris, für zwei Präsidenten, die begeistert waren von wagemutiger Architektur. Unsere Städte sind voll von Schulen, Bibliotheken, Kulturzentren, öffentlichen Gebäuden, die die Namen großer Landsleute tragen. Die ganz Großen, Charles de Gaulle, John F. Kennedy, Franz Josef Strauß, kriegen sogar einen Flughafen.
Nur Willy Brandt hat keinen Platz im Pantheon der Geschichtsgrößen gefunden. Er hatte einfach ein bisschen zu viel Pech, der Arme. Alles begann doch mit der besten Intention. Als Berlin entschied, dem neuen Mega-Airport den Namen des Ex-Kanzlers zu geben, verband man mit dem Projekt noch Prestige: der modernste Flughafen Europas! Eine kleines Wunder in Technik und Design! Aber, wie man weiß, haben sich die Dinge etwas verändert. Heute spricht niemand mehr vom Flughafen Willy Brandt. Weil es ein Affront wäre. Der Name einer Person, sagt der Gesetzgeber, ist vom Persönlichkeitsrecht geschützt. BER sind einfach nur drei Buchstaben, die niemanden bloßstellen.

Strada Aldo Moro in Genua? Eine postmortale Strafe!


Glücklicherweise haben die Hamburger sich nicht dazu drängen lassen, die Elbphilharmonie „Helmut-Schmidt-Philharmonie“ zu taufen. Der Altkanzler, der wie kein anderer in den letzten Jahren seines Lebens als landesweit respektierter Guru auftrat, verdient mindestens einen Flughafen.
Seinen Namen herzugeben kann auch gefährlich sein. Man kann bisweilen sogar ein zweites Mal sterben. Beispiel: Strada Sopraelevata Aldo Moro in Genua. Eine hässliche Stadtautobahn auf Stelzen. Sie durchschneidet die Stadt, fünf Kilometer lang, trennt Hafen von Altstadt. In den 60ern versprachen sich die Stadtplaner davon, ein für alle Mal den Innenstadtverkehr zu regeln. 1978 dann ermordeten die Roten Brigaden den italienischen Ministerpräsidenten Aldo Moro. Und die Honoratioren der Stadt Genua wollten seinen Namen in die Stadtsilhouette schreiben, auf dass er nie mehr vergessen würde. Leider fanden sie nichts Besseres als ihre monströse Bausünde. Eine postmortale Strafe.
Zum Glück hat man auch davon abgelassen, den Tiergartentunnel „Hannelore-Kohl-Tunnel“ zu nennen. Die Ehefrau des Kanzlers begnügte sich damit, die Patin des Tunnelbaus zu sein. Selbst wenn man die Metapher ignoriert, die einem in die Augen springt, ist es doch recht uncharmant, einem Stadttunnel den Namen einer Frau zu geben, finden Sie nicht? Dasselbe gilt auch für Gesetze und Reformen, die den Namen ihrer gedanklichen Väter und Mütter tragen. Das französische Abtreibungsgesetz gibt es seit 1974. Noch immer trägt es stolz den Namen von Simone Veil, der Politikerin, die es zeitlebens mutig verteidigte. Peter Hartz hatte etwas weniger Glück. Auch hier haben die Dinge eigentlich ganz gut angefangen. 2004 wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache „Hartz IV“ als Wort des Jahres. Eine kurzlebige Anerkennung. Hartz IV ist heute das Schreckbild, das man Kindern malt, wenn sie in der Schule nicht aufpassen: Wenn du so weiter machst, wirst du mit Hartz IV enden!
Wenn ich an Willy Brandt denke, an Aldo Moro, Peter Hartz, was, wenn der neue Präsident irgendwann seinen Turm umbenennen muss, um den Ruf des Gebäudes zu schützen? In vier Jahren wissen wir mehr.

- Aus dem Französischen übersetzt von Fabian Federl.

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