Politik : Monatelange Wartezeit Heimkinder-Fonds: Kirchen beklagen Antragsstau

Berlin - Die Kirchen haben eine schleppende Bearbeitung von Anträgen für Leistungen aus dem Fonds für traumatisierte ehemalige Heimkinder kritisiert. Staatliche Beratungsstellen benötigten teils Monate bis zur Auszahlung, was zu einer erneuten Traumatisierung Betroffener führen könne, erklärten am Dienstag der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider. Der Hilfsfonds West für Heimkinder speist sich zu je einem Drittel aus Geld des Bundes, der Länder und der Kirchen. Die Abwicklung der Entschädigung ist allein in staatlicher Hand.

Zollitsch und Schneider bedauerten, dass es trotz intensiver Bemühungen noch nicht gelungen sei, Betroffenen aus der Behindertenhilfe und Psychiatrie ein ähnliches Hilfsangebot zu machen. „Wir appellieren an den Bund und die Länder: Auch diese Gruppe Betroffener sollte schnellstens Hilfen zur Bewältigung ihrer schlimmen Erlebnisse erhalten.“

In Westdeutschland waren bis zu 800 000 Kinder in den fünfziger und sechziger Jahren in Heimen untergebracht. Während der 120 Millionen Euro umfassende Fonds für die alten Bundesländer erst von 6320 Betroffenen in Anspruch genommen wurde und bislang lediglich 66 Millionen Euro davon ausgezahlt worden sind, wird der 40 Millionen Euro umfassende Fonds zugunsten der traumatisierten Heimkinder in der DDR bereits im Frühjahr dieses Jahres ausgeschöpft sein. Am heutigen Mittwoch wollen die zuständigen Staatssekretäre von Bund und Ländern über eine Fortführung und Aufstockung des Ost-Fonds beraten. Aus einem dieser Zeitung vorliegenden Eckpunktepapier geht hervor, dass die Leistungen drastisch eingeschränkt werden sollen, was bei Betroffenen und Experten weithin Kritik hervorruft (wir berichteten). In einem offenen Brief an die Ministerpräsidenten und die Bundesfamilienministerin beklagt jetzt die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), es drohe eine „innerdeutsche Spaltung der Opfergruppe der ehemaligen Heimkinder in Ost und West. Das wäre im 25. Jahr der Wiedervereinigung ein fatales politisches Signal“. sc/dpa

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