Politik : Monika Lewinsky: "Clintons Gegner schleusten Lewinsky ein", behauptet Boris Jelzin

Der frühere russische Präsident Boris Jelzin hat in seinen am Samstag veröffentlichten Memoiren Hintergründe der Lewinsky-Affäre enthüllt. In seinem "Mitternachtstagebuch" behauptet er, bei der Sex-Affäre von US-Präsident Bill Clinton mit der Praktikantin Monika Lewinsky habe es sich um eine Verschwörung innenpolitischer Gegner des US-Staatschefs gehandelt, wie die "Welt am Sonntag" berichtete. Jelzin sei von dem Vorhaben, eine "junge Provokateurin einzuschleusen" vom russischen Geheimdienst FSB 1996 informiert worden. Die "Welt am Sonntag" und später die "Welt" veröffentlichen einen Vorabdruck der Memoiren Jelzins. Bei der Vorstellung seiner Lebenserinnerungen sagte Jelzin in Moskau: "Dieses Buch ist eine Mischung aus Herz, Seele und Nachdenklichkeit".

In einem Interview in der "Welt am Sonntag" antwortete er auf die Frage, ob es sich bei der "Provokateurin" für Clinton um Lewinsky gehandelt habe, mit "Ja". In seinem "Mitternachtstagebuch" liest sich dies weniger eindeutig. Er habe vom FSB eine "chiffrierte Meldung" erhalten. "Dieses Telegramm enthielt eine Voraussage darüber, auf welche Weise die Republikaner die enormen politischen Probleme, die vor ihnen standen, lösen würden. Da Clintons Faible für hübsche junge Frauen bekannt sei, planten seine Gegner, in nächster Zeit in seine Umgebung eine junge Provokateurin einzuschleusen." Die Opposition habe damit einen "Riesenskandal" auslösen wollen, um das Ansehen des Präsidenten zu beschädigen. Gewarnt habe Jelzin seinen US-Kollegen jedoch nicht. Er sei sich nicht sicher gewesen, "ob einige Details präzise genug waren".

Bei der Buch-Präsentation in Moskau sagte der 69-jährige Jelzin, er sei sicher, dass die heutigen Politiker darin viele wichtige und interessante Dinge fänden. Während seiner Amtszeit sei ein "demokratisches Russland mit einer Marktwirtschaft und einer geeinten und zivilisierten Gesellschaft entstanden, die ihren Weg in den Kreis der Großmächte gefunden habe", lobte sich Jelzin im staatlichen Fernsehsender ORT. Nach seinem Rücktritt habe er sich wie "der Läufer eines Super-Marathons" gefühlt. "Ich fühlte nahezu körperlich, wie eine Last von meinen Schultern fiel", heißt es in den Memoiren. Seit seinem Abschied aus dem Kreml habe er Vergnügen wie die "Beschaulichkeit und Nachdenklichkeit" sowie die "Freude an jeder Minute, an der Musik, dem Theater und der Literatur" wieder entdeckt. Zudem gibt es "jetzt einen Fernseher in meinem Leben", schreibt Jelzin.

Außerdem habe er versucht abzunehmen, indem er weniger esse und jeden Abend ein Glas Kefir trinke, gestand der Ex-Präsident. Er stehe immer noch jeden Morgen um fünf Uhr auf und telefoniere auch weiterhin "regelmäßig" mit anderen Politikern wie Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl oder US-Präsident Clinton.

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