Monsanto & Co. : Gen-Konzerne bleiben beim Mais

Mit dem Verbot des Monsanto-Genmaises Mon 810 hat Bundesagrarministerin Aigner das Thema "grüne Gentechnik" noch lange nicht erledigt. Weitere Entscheidungen stehen an.

Dagmar Dehmer

BerlinIn wenigen Wochen wird Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) sich im EU-Ministerrat zur Zulassung zweier weiterer gentechnisch veränderter Maissorten positionieren müssen. Dabei geht es um den Syngenta-Mais Bt 11 sowie den Du-Pont-Pioneer-Mais 1507.

Beiden Maissorten wurde eine Gensequenz des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) hinzugefügt, sie produzieren also während ihrer gesamten Vegetationszeit ein Insektengift. Zudem sind beide Sorten mit einer Resistenz gegen die Totalherbizide der beiden Konzerne Basta beziehungsweise Liberty ausgestattet. Sie überleben als einzige Pflanzen, wenn das entsprechende Pflanzengift gespritzt wird. Bisher hat Aigner nicht erkennen lassen, wie sie sich verhalten wird. Allerdings war sie als Bundestagsabgeordnete eine Befürworterin der grünen Gentechnik, steht jedoch wegen der Anti-Gen-Kampagne ihrer Partei unter starkem Druck, sich in die andere Richtung zu bewegen.

In Europa sind die Bürger nach wie vor nicht vom Nutzen der grünen Gentechnik überzeugt. Die Gentechnik-Konzerne, allen voran der amerikanische Agrarchemiekonzern Monsanto, kämpfen für die weltweite Einführung der Genpflanzen, meist mit dem Argument, dass nur so der Welthunger bekämpft werden könne.

Nach 30 Jahren Forschung und 13 Jahren kommerzieller Nutzung der Genpflanzen gibt es aber bis heute keine gentechnisch veränderte Nutzpflanze, die Trockenheit widerstehen kann. Zwar hat Monsanto vor wenigen Wochen in den USA den ersten trockenresistenten Mais zu einer Vorprüfung bei der US-Lebensmittelbehörde angemeldet. Doch wirtschaftlich relevant sind bis heute nur vier genetisch veränderte Nutzpflanzen: Soja, Baumwolle, Mais und Raps. Sie sind entweder herbizidresistent oder produzieren ein Insektengift. Durchgesetzt hat sich die Technologie bei Soja und Baumwolle. Mehr als 70 Prozent der weltweit angebauten Soja war 2007 genverändert. Bei Baumwolle war es knapp die Hälfte.

In einer Studie für den Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) hat die Gentechnik-Expertin Ute Sprenger die Versprechen der Gentechnik-Konzerne mit den Ergebnissen aus der Praxis verglichen. Trockenresistente Pflanzen hat noch keiner hervorgebracht. Sprengers Fazit: Die meisten Konzerne produzieren herbizidresistente Pflanzen, um im Doppelpack auch ihre in die Jahre gekommenen Totalherbizide weiter im Markt zu halten. Auch das Hauptargument der Konzerne, dass mit diesen Pflanzen viel weniger Ackergifte eingesetzt würden, hält einer Überprüfung nicht stand. In den USA stieg der Einsatz der Totalherbizide zwischen 1994 und 2006 um 150 Prozent pro Hektar. Das ergibt sich aus den Daten des US-Landwirtschaftsministeriums. Die Entwicklung liegt durchaus im Interesse der Konzerne, schreibt Ute Sprenger. Schließlich liegt der Anteil der Agrargifte beim Umsatz bei Monsanto bei 58 Prozent, bei Syngenta sogar bei 78 und bei Bayer bei 82 Prozent.

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