Politik : MONTENEGRO

Enver Robelli

Der 193. Staat der Welt ist geboren. Mit Montenegro, knapp 670 000 Einwohner, hat sich die letzte der ehemaligen jugoslawischen Republiken für selbstständig erklärt, der Bund mit Serbien ist gelöst. Serbien musste sich damit abfinden. Keine Drohungen waren aus Belgrad zu hören, nur Bedauern ob der Entscheidung der „montenegrinischen Brüder“. Vergessen scheinen die Zeiten, als in der serbischen Hauptstadt Panzer in Bewegung gesetzt wurden, um die Sezession anderer Republiken zu verhindern.

Montenegro hofft auf eine schnelle Integration in die EU. Bezahlt wird in der Adriarepublik seit Jahren mit dem Euro. Die Regierung bemüht sich, das Vertrauen der westlichen Investoren zu gewinnen. Das will aber nicht so recht gelingen. Das Land hat eine schlechte Infrastruktur und ein miserables Image aus den 90er Jahren, als die Führung um den jetzigen Premier und ehemaligen Präsidenten Milo Djukanovic (44) vom Zigarettenschmuggel profitiert haben soll.

Im Vorfeld des Referendums hatten die Machthaber vollmundig versprochen, Montenegro in ein Paradies für Offshore-Gesellschaften nach dem Vorbild Zyperns zu verwandeln. Dubiose Geschäftsleute aus Russland haben Montenegro längst entdeckt. Ohne eine enge Anbindung an die EU besteht die Gefahr, dass Montenegro ein Hort der organisierten Kriminalität wird. Empfindliche Folgen für den Haushalt des neuen Staates könnte ein Boykott der montenegrinischen Adriaküste durch serbische Touristen haben.

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