Politik : Montenegros Präsident warnt: Milosevic könnte einen fünften Balkan-Krieg anzetteln

Im serbischen Grenzgebiet zum Kosovo ist es am Wochenende offenbar zu Gefechten zwischen Serben und Albanern gekommen. Ein Sprecher der internationalen Friedenstruppe (KFOR) in der Provinz, Roland Lavoie, bestätigte am Wochenende lediglich, dass es in der Region Gewehrfeuer gegeben habe. Die unabhängige Belgrader Tageszeitung "Glas" berichtete über "mehrere Angriffe bewaffneter Kosovo-Albaner auf südserbische Dörfer".

Lavoie sagte weiter, ein Kosovo-Albaner sei am Freitagabend in ein Krankenhaus nach Pristina wegen einer Schussverletzung gebracht worden, "die er nicht im Kosovo erlitten" habe. Die KFOR patrouilliere im Grenzgebiet. "Wir beobachten die Situation, um herauszufinden, ob es sich um Geplänkel oder Ernsteres handelt", sagte Lavoie. In der Stadt Kosovska Mitrovica waren nach Angaben aus Belgrad am Samstag fünf serbische Einwohner bei Auseinandersetzungen mit Albanern verletzt worden.

Die UN-Mission im Kosovo und die KFOR haben nach dem Absturz eines Flugzeugs mit internationalen Helfern vor einer Woche unterdessen alle zivilen Flüge nach Pristina gestoppt. Erste Untersuchungen französischer Experten hätten ergeben, dass es wegen unterschiedlicher Abläufe im militärischen und im zivilen Flugbetrieb zu Missverständnissen kommen könne, sagte ein KFOR-Sprecher am Sonntag in Pristina. Der Flughafen Slatina bei Pristina steht unter Kontrolle der KFOR und wird von militärischen Fachleuten betrieben.

Montenegros Präsident Milo Djukanovic hat inzwischen davor gewarnt, dass Jugoslawiens Staatschef Slobodan Milosevic einen weiteren Krieg auf dem Balkan anzetteln könnte. "Ich bin überzeugt, dass Milosevic seine Gabe, Konflikte herzustellen, schon genügend unter Beweis gestellt hat", sagte Djukanovic der Zeitung "Welt am Sonntag". Einem Menschen, der vier Kriege auf dem Balkan provoziert habe, mache es nichts aus, "auch noch einen fünften anzufangen". Eine Volksabstimmung über die Abspaltung Montenegros von der Bundesrepublik Jugoslawien hält Djukanovic für "risikoreich, auch wegen der inneren Teilung Montenegros in dieser Frage". Er wolle einen weiteren Konflikt auf dem Balkan vermeiden. "Allerdings wollen wir keinesfalls auf unseren europäischen demokratischen Weg verzichten", betonte Djukanovic. Die demokratische Opposition in Serbien brauche "das starke Beispiel" Montenegros. Er appelliere deshalb an Europa, Montenegro zu helfen. Es sei besser, jemandem mit wenig Aufwand zu unterstützen, als später die Folgen schlimmer Konflikte zu beheben.

Auf das Büro der oppositionellen Demokratischen Partei in der serbischen Großstadt Nis war Samstag ein Brandanschlag verübt worden. "Der Täter wurde vom jugoslawischen Regime angestiftet, das unsere Partei einschüchtern will", sagte Zoran Zivkovic, ein Führungsmitglied der Partei.

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