Moorburg : Vattenfall will Heizkraftwerk nicht wie geplant abschalten

Gleich mehrere energiepolitische Debatten werden zurzeit in Schleswig-Holstein und Hamburg geführt. In allen Fällen ist der Energieversorger Vattenfall beteiligt. Im Mittelpunkt stehen die Kernkraftwerke in Brunsbüttel und Krümmel sowie der "Kraftwerksdinosaurier" Wedel und das sich im Bau befindliche Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg.

Dieter Hanisch

Hamburg In Hamburg löste Vattenfall Irritationen mit der Aussage aus, auch nach der für 2012 geplanten Inbetriebnahme von Moorburg für eine Übergangszeit von etwa einem Jahr am 1971 in den Dienst gestellten Heizkraftwerk Wedel festzuhalten. In der Phase, als Vattenfall noch um die Betriebsgenehmigung für Moorburg gerungen hatte, argumentierte der Energiekonzern immer damit, die veraltete und überdimensional CO2-lastige Technologie des Gasturbinenwerkes in Wedel stillzulegen. Jetzt wolle man „im Interesse der Fernwärmekunden auf Nummer sicher gehen“, sagte eine Vattenfall-Sprecherin. „Man darf sich das nicht so vorstellen, auf Knopfdruck liefert Moorburg und Wedel kann ausgestellt werden. Das ist komplexer und bedarf einer Übergangszeit und einer Sicherheit.“ Greenpeace nannte die Verlautbarung einen „Wortbruch“. Die Hamburger SPD zweifelt die Glaubwürdigkeit von Vattenfall an. Die Grünen nennen den Weiterbetrieb von Wedel einen „falschen Weg“.

Gegenüber dem Wirtschaftsministerium in Kiel hat Vattenfall geäußert, dass die seit Sommer 2007 aufgrund von Pannen vom Netz genommenen Atommeiler Brunsbüttel und Krümmel womöglich dieses Jahr wieder den Betrieb aufnehmen können, nachdem zurzeit noch Restarbeiten an schadhaften Armaturen und Dübeln stattfinden.

In Krümmel gehen die Reparaturen demnach offenbar schneller voran, bestätigte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek Überlegungen des Wiederanfahrens im Mai. In Brunsbüttel sei frühestens im Herbst wieder mit der Stromproduktion zu rechnen, hieß es. Das atomrechtlich die Aufsicht führende Sozialministerium in Schleswig-Holstein wollte kein Zeitfenster bestätigen. Die Grünen scheiterten derweil in Kiel mit ihrem Vorstoß, eine Expertenanhörung zum angeblich fehlenden Schutz in Brunsbüttel vor Terrorattacken auf den Weg zu bringen. Die CDU/SPD-Regierung lehnte einen entsprechenden Antrag ab.

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