Politik : Morales als Präsident vereidigt

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Berlin - Jetzt gilt’s. Gut einen Monat nach seiner überraschend deutlichen Wahl zum Präsidenten Boliviens hat der 46-Jährige sozialistische Indio und Koka-Bauer Evo Morales am Sonntag den Amtseid abgelegt. 180 Jahre nach der Staatsgründung führt damit erstmals ein Nachfahre der Ureinwohner und Vertreter der indigenen Bevölkerungsmehrheit den Andenstaat. Noch bevor er sein Kabinett zusammengestellt hatte und in sein Amt eingeführt wurde, war er Anfang Januar auf seine erste große Auslandsreise gegangen, die nicht zuletzt deshalb Aufsehen erregte, weil er, ob im Gespräch mit Spaniens König oder Chinas Präsident, immer den gleichen quer gestreiften bunten Alpaka-Pullover trug. Begründung: Er sei ein Teil des Volkes, und die Mehrheit des Volkes trage weder Anzug noch Krawatte. Diesem Volk hat er versprochen, Bolivien neu zu gründen. Er will den Koka-Anbau legalisieren, was ihm aus Washington den Vorwurf einbringt, dem internationalen Rauschgifthandel in die Hände zu spielen. Und er will, dass Bolivien die Kontrolle über seine Rohstoffe wiedererlangt, was internationale Investoren verstört. Dabei weiß Morales, dass er wenig Zeit hat, um die großen Erwartungen der Menschen zu erfüllen und eine Antwort auf die Frage zu geben: Ist er Sozialrevolutionär oder Reformer, Demagoge oder Volksheld?

Das Land ist zerrissen, ökonomisch, ethnisch, regional und kulturell, sagt Günther Maihold von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Es gehört zu den ärmsten des Halbkontinents. Und das Vertrauen in Amtsträger ist gering, das staatliche Gewaltmonopol in Frage gestellt, der soziale Frieden gefährdet. „Wenn es Morales darum geht, Bolivien als Nation zu konstituieren, dann braucht das Land eine verfassunggebende Versammlung“, sagt Maihold. Und eine Verfassung, die sich nicht wie ein Wunschbuch lese. Sondern Chancengleichheit für alle garantiere, Boliviens Gesellschaft dialogfähig und pluralistisch mache und das Staatswesen funktionsfähig. Kurz gesagt, so Maihold: Eine Verfassung, „die einen Beitrag zur Konfliktlösung darstellt, indem sie Probleme nicht ausklammert, sondern Wege aufzeigt, wie sie bearbeitet und gelöst werden können“. mis

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