Politik : „Moralischer Abgrund“

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In der Nacht zum Mittwoch, so die Einschätzung vieler israelischer Kommentatoren, hat Israel einen Teil seiner moralischen Überlegenheit gegenüber den Palästinensern eingebüßt. Die Ermordung des Hamas-Kommandeurs Schehadeh sei „der erste terroristische Akt Israels seit Jahren“, schreibt die linksliberale Haaretz. Er sei nicht zu vergleichen mit anderen Aktionen, bei denen palästinensische Zivilisten umkamen, weil die toten Zivilisten „das Ergebnis einer überlegten und bewussten Entscheidung des Premierministers waren, eine Ein-Tonnen-Bombe auf einem Wohngebiet abzuwerfen“. Auch die konservative „Jerusalem Post“ bedauert die vielen Toten und das diplomatische Desaster. Die Frage sei, warum die Armee die zerstörerische Wirkung der Bombe nicht habe einschätzen können, nur vier der Toten hätten sich schließlich in Schehadehs Haus selber aufgehalten. Zudem habe die Aktion möglicherweise ein Abkommen zwischen Arafat und den Extremisten über eine Waffenruhe verhindert. Der angesehene Leitartikler Yoel Marcus schreibt in der Haaretz, die Operation sei eine Kombination von Aufklärungsfehlern, militärischer Ungeschicktheit und politischer Stumpfsinnigkeit. Es sei nicht akzeptabel, dass solch eine schwer wiegende Entscheidung quasi von Scharon allein gefällt worden sei: „Scharon zieht uns in einen existenziellen und moralischen Abgrund, nur, damit er in den besetzten Gebieten und an der Macht bleiben kann.“ clw

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