• Mord am Mörder: Texas hält trotz aller Proteste an Hinrichtung fest / SPD und Grüne fordern Aussetzung

Politik : Mord am Mörder: Texas hält trotz aller Proteste an Hinrichtung fest / SPD und Grüne fordern Aussetzung

Ungeachtet internationaler Proteste ist am Donnerstag im US-Bundesstaat Texas die Hinrichtung des 44-jährigen Sexualmörders John Paul Penry geplant. Nach Angaben seiner Anwälte ist Penry geistig behindert. Gutachtern zufolge hat er den geistigen Entwicklungsstand eines sechsjährigen Kindes und einen Intelligenzquotienten, der nur halb so hoch ist wie beim Durchschnitt der Bevölkerung. Seine Hinrichtung wäre in diesem Jahr die 38. in Texas, dem Staat, dessen Gouverneur der derzeitige republikanische Präsidentschaftskandidat George W. Bush ist. Den Protesten der Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) und des amerikanischen Interessenverbandes Geistige Behinderung schlossen sich jetzt auch die Fraktionsvorsitzenden der deutschen Regierungskoalition an. Peter Struck (SPD) sowie Kerstin Müller und Rezzo Schlauch (Grüne) appellierten in einem Schreiben an Bush, die Hinrichtung auszusetzen. Auch in Großbritannien wurde am Donnerstag Kritik an den Exekutionen in Texas laut. Die Tageszeitung "Daily Mirror" veröffentlichte die Fotos von 147 Menschen, die seit Bushs Amtsantritt in den vergangenen fünf Jahren hingerichtet worden seien.

Penry wurde für die Vergewaltigung und den Mord an einer 22-Jährigen in Livingston/Texas verurteilt. Das Argument, der Intelligenzquotient des Straftäters belege eine geistige Behinderung, wies die Staatsanwaltschaft ab. Penry sei ein Soziopath, der nur vorgebe, behindert zu sein. Die Anwälte Penrys haben Bush um einen 30-tägigen Aufschub der Hinrichtung gebeten. Der Politiker sei zu sehr mit dem Ausgang der Präsidentenwahlen vom 7. November beschäftigt, um den Fall ausreichende Aufmerksamkeit zu schenken, heißt es in ihrem Schreiben.

In Texas ist am Mittwoch ein weiterer Todeskandidat mittels einer Giftspritze hingerichtet worden. Der 32-jährige Tony Chambers war für schuldig befunden worden, 1990 ein elf Jahre altes Mädchen entführt, vergewaltigt und ermordet zu haben. Erst am Dienstag war, ebenfalls im Staatsgefängnis von Huntsville, der 31-jährige Stacy Lawton wegen Mordes hingerichtet worden. Beide Todeskandidaten hatten bis zuletzt die ihnen zu Last gelegten Verbrechen bestritten. Gouverneur George W. Bush ist ein strikter Verfechter der Todesstrafe. Seit deren Wiedereinführung im Dezember 1982 wurden in dem Bundesstaat bereits 236 Menschen hingerichtet.

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