Mord an Hamas-Führer : Pass-Affäre provoziert diplomatische Verstimmung

Die britische Regierung hat nach dem Mord an einem Hamas-Funktionär den israelischen Botschafter einbestellt. Die mutmaßlichen Täter hatten gefälschte Pässe benutzt.

Großbritannien reagiert im Mordfall Mahmud al-Mahbub, eines ranghoher Hamas-Führers, verschnupft. Die Regierung will den israelischen Botschafter zur Fälschung britischer Pässe befragen, wie eine Sprecherin des Außenamtes mitteilte. Ron Prosor werde noch für Donnerstag zum Gespräch im Außenministerium erwartet. Premierminister Gordon Brown hatte zuvor eine "umfassende Untersuchung" angekündigt.

Mabhuh kam am 20. Januar durch einen Anschlag im Hotel Bustan Rotana in Dubai ums Leben. Die mutmaßlichen Mörder hatten insgesamt sechs britische, drei irische sowie einen deutschen und einen französischen Pass verwendet. Sei stellten sich aber als gefälscht heraus. Der israelische Geheimdienst Mossad steht im Verdacht, an der Tat beteiligt zu sein. Er hat in der Vergangenheit immer wieder gefälschte ausländische Dokumente benutzte.

Die israelische Regierung macht Mabhuh für die Entführung und Ermordung zweier israelischer Soldaten zu Beginn des ersten Palästinenseraufstandes Intifada (1987-1993) verantwortlich, hat die Vorwürfe aber zurückgewiesen. am dem Mordanschlag beteiligt gewesen zu sein.

Das Benutzen der falschen britischer Pässe sei eine "sehr ernste" Angelegenheit, sagte die Sprecherin des britischen Außenministeriums. Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im britischen Parlament, Mike Gapes, sagte, wenn nicht Israel für die Tat verantwortlich sei, "dann hat jemand versucht, es so aussehen zu lassen, als seien es die Israelis".

Auch Irland verschärfte im Zusammenhang mit den gefälschten Pässen den Ton. Es gebe neue Informationen, die bestätigten, dass die drei Ausweise tatsächlich existierende Passnummern irischer Bürger hätten, sagte Irlands Außenminister Micheal Martin. Die irischen Behörden bemühten sich daher "dringend" um einen Kontakt mit den Betroffenen.

Arabische Zeitungen hatten Passfotos und Namen von zehn Männern und einer Frau veröffentlicht, die als Täter verdächtigt wurden – zu Unrecht, wie sich nun herausstellte. Bei den vom Identitätsdiebstahl betroffenen Personen handelt es sich überwiegend um Israelis mit doppelter Staatsbürgerschaft. Sie könnten nun Ziel von Racheakten werden: Im Gaza-Streifen protestierten Agenturangaben zufolge Tausende Hamas-Anhänger und kündigten Vergeltung an. 

Die Entscheidung, Mabhuh zu rächen, sei getroffen worden, sagte ein Sprecher der radikalen Palästinenserorganisation vor der protestierenden Menge. "Alles, was die Mörder nun tun müssen, ist warten", sagte er und fügte hinzu: "Wir werden ihnen nicht sagen, wo und wie wir zuschlagen."

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, AFP

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