• Mord in Dessau: Drei Neonazis müssen sich wegen des Todes von Alberto Adriano verantworten

Politik : Mord in Dessau: Drei Neonazis müssen sich wegen des Todes von Alberto Adriano verantworten

Frank Jansen

Es soll schnell gehen, sehr schnell sogar: In nicht mal einer Woche will das Oberlandesgericht Naumburg den Prozess gegen die drei Skinheads bewältigen, die in der Nacht zum 11. Juni in Dessau den Mosambikaner Alberto Adriano derart geprügelt haben, dass er drei Tage später starb. Heute beginnt die Hauptverhandlung, aus Sicherheitsgründen im neuen Justizzentrum Halle, schon am kommenden Montag möchte der Erste Strafsenat das Urteil verkünden. Was die Eile bewirken soll, ist offenkundig: Die Justiz will der Szene ein Warnsignal übermitteln - Gewalt gegen Migranten wird schnell (und vermutlich hart) geahndet. "Dessau" soll nicht nur das Synonym für einen weiteren rechten Exzess sein, es soll sich auch als Exempel einer unmissverständlichen Reaktion des Staates einprägen.

Aus diesem Grund hatte Generalbundesanwalt Kay Nehm, sonst eher für terroristische Verbrechen zuständig, schon am Tag nach dem Tode Adrianos die Ermittlungen an sich gezogen. "Es scheint geboten, durch Wahrnehmung der Bundeskompetenz die Fähigkeit und Entschlossenheit der Bundesrepublik Deutschland zur rückhaltlosen Bekämpfung rechtsradikaler Gewalt zu verdeutlichen", ließ Nehm im Juli mitteilen, als er die Anklage erhob. Die drei Schläger müssen sich wegen Mordes verantworten, begangen aus Fremdenhass. Sollte das Gericht dem Generalbundesanwalt folgen, hat der älteste Angeklagte, der 24 Jahre alte Enrico H. aus Bad Liebenwerda, mit lebenslanger Haft zu rechnen. Seine Kumpane, die 16-Jährigen Frank M. und Christian R. aus Wolfen, werden nach Jugendstrafrecht verurteilt. Es sieht als Höchststrafe zehn Jahre vor.

Die schon vor der Tat einschlägig bekannten Neonazis haben bei den Vernehmungen durch das Bundeskriminalamt gestanden, den Mosambikaner schwer misshandelt zu haben. Allein Enrico H. trat mit seinen Schnürstiefeln zehn Mal gegen Adrianos Kopf. Die Skinheads haben sich auch zu ihrer rassistischen Einstellung bekannt. Der Tatablauf scheint ebenfalls weitgehend klar zu sein, obwohl die Schläger dem Opfer eine Mitschuld zuweisen wollen. Aus Sicht der Ermittler stellt sich das Verbrechen anders dar: Christian R. und Frank M. lernten am Dessauer Bahnhof Enrico H. kennen. Da alle drei ihre Züge verpasst hatten, zog man grölend herum und traf im Stadtpark auf Alberto Adriano, der in einem nahen Hochhaus wohnte. Der Afrikaner wurde beleidigt, geschlagen, getreten und ausgezogen. Die Skinheads nahmen ihm auch die Armbanduhr ab. Adriano erlitt schwere Kopfverletzungen und erlag am 14. Juni einer plötzlich auftretenden Blutung unter der Hirnhaut.

Trotz der Schwere der Tat ist nicht sicher, ob die Skins wegen Mordes verurteilt werden können: Zur Tatzeit, gegen 1 Uhr 45, waren sie zumindest angetrunken. Womöglich kommt ihnen zugute, dass die Polizei sie gleich nach der Tat festnahm: So konnte der Alkoholisierungsgrad noch ziemlich genau festgestellt werden. Beim Angriff auf Adriano hatte der am stärksten angetrunkene Schläger fast zweieinhalb Promille im Blut.

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