Mord in Dubai : Rätsel um deutschen Pass

Nach dem Mord an einem ranghohen Funktionär der Hamas geht das Rätselraten um den deutschen Pass weiter. Der angebliche Besitzer, ein israelischer Rabbi, erklärte, er habe nie einen deutschen Pass besessen.

Tel AvivDer Israeli Michael Bodenheimer ist ein strengreligiöser Rabbiner aus dem Tel Aviver Orthodoxen-Vorort Bnei Brak. Ausgerechnet dieser harmlos wirkende fromme Lehrer mit langem weißen Rauschebart und dicker Lesebrille ist jetzt mit dem Mordkommando in Verbindung gebracht worden, das im vergangenen Monat in Dubai einen ranghohen Funktionär der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas erstickt haben soll. Einer der elf mutmaßlichen Täter benutzte nämlich Bodenheimers Namen, als er mit einem deutschen Pass nach Dubai einreiste. Der Rabbi selbst streitet vehement ab, etwas mit dem Mord, für den der israelische Geheimdienst Mossad verantwortlich gemacht wird, zu tun zu haben.

„Ich habe weder einen deutschen Pass beantragt noch jemals einen besessen“, sagte Bodenheimer der israelischen Zeitung „Maariv“. Er reagierte damit auf einen Bericht im „Spiegel“, dem zufolge ein Mann namens Michael Bodenheimer vor knapp einem Jahr in Köln einen deutschen Pass beantragt und ausgestellt bekommen hatte. Der Unbekannte habe damals einen israelischen Pass sowie die Heiratsurkunde seiner Eltern vorgelegt und erklärt, seine Familie habe deutsche Wurzeln und sei von den Nationalsozialisten verfolgt worden. Auch die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt.

Israels Außenminister Avigdor Lieberman wird sich an diesem Montag bei einem schon länger geplanten Treffen mit Außenministern der EU in Brüssel wohl einige unangenehme Fragen anhören müssen. Die britische „Sunday Times“ berichtete, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu höchstpersönlich habe den Mord genehmigt. Dubais Außenministerium bestellte am Sonntag mehrere EU-Botschafter ein. Man sei in „tiefer Sorge“, weil die Täter die Privilegien von Staatsangehörigen befreundeter Staaten für ein Verbrechen genutzt hätten. Man werde jetzt auf höhere Sicherheitsstandards für EU-Pässe dringen. dpa/AFP

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