Morde in Türkei : "Wir haben es fürs Vaterland getan"

Die mutmaßlichen Mörder von drei Angestellten eines christlichen Buchverlages in Malatya haben Medienberichten zufolge ein Geständnis abgelegt. Sie gaben an, aus religiös-nationalistischen Motiven gehandelt zu haben.

Istanbul - Die Zeitung "Milliyet" zitierte einen mutmaßlichen Täter mit der Aussage: "Wir haben es fürs Vaterland getan." Dem Bibelverlag "Zirve" in Malatya war vorgeworfen worden, in der Stadt christliche Missionsarbeit zu betreiben. Dies ist in der Türkei nicht verboten. Islamisten und Nationalisten betrachten die Missionarstätigkeit aber als Angriff auf die nationale Einheit der zu 99 Prozent muslimischen Türkei.

Mittlerweile hat die Polizei fünf weitere Verdächtige festgenommen. Damit sei die Zahl der Tatverdächtigen auf zehn gestiegen, sagte Gouverneur Halil Ibrahim Dasöz in Malatya. Alle zehn sind 19 bis 20 Jahre alt. Es lägen keine Vorstrafen gegen die Beschuldigten vor, hieß es weiter. Nach möglichen Hintermännern oder auftraggebenden Organisationen werde gefahndet. Er glaube, dass sich das Verbrechen rasch aufklären lasse, sagte der Gouverneur.

Mehrere Zeitungen berichteten, die Verdächtigen hätten vor dem Angriff am Mittwoch den Verlagssitz in einem Geschäftsgebäude in Malatya ausspioniert. Zudem sollen sie sich ein Auto gemietet haben, das als Fluchtwagen gedacht war. Bei den Verdächtigen war ein Brief gefunden worden, in dem sich die Gruppe als "fünf Brüder" bezeichnete, die "in den Tod gehen". Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte, es werde noch untersucht, ob hinter der Gruppe der mutmaßlichen Täter noch Anstifter gestanden hätten.

"Der Alptraum geht weiter"

Die Morde schockierten die türkische Öffentlichkeit. "Der Alptraum geht weiter", titelte eine Zeitung in Anspielung auf die Ermordung des katholischen Priesters Andrea Santoro im vergangenen Jahr und den Mord an dem armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink im Januar. Im Stadtzentrum von Istanbul versammelten sich am Mittwochabend rund 100 Demonstranten, um gegen die Morde von Malatya zu protestieren und sich mit den Opfern zu solidarisieren. "Wir sind alle Christen", stand auf einem Transparent. Nach dem Mord an Dink waren mehrere zehntausend Menschen unter dem Motto "Wir sind alle Armenier" auf die Straße gegangen. (tso/AFP)

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