Politik : Morden in Indonesien: Polizei auf Borneo entdeckt 118 Leichen

Auf Borneo hat die Polizei 118 grausam verstümmelte und enthauptete Leichen entdeckt. Es handele sich um maduresische Einwanderer, die von Ureinwohnern vom Stamm der Dayak regelrecht abgeschlachtet worden seien, sagte ein Polizeioffizier am Dienstag. Damit stieg die offizielle Zahl der Todesopfer der seit Mitte Februar andauernden Unruhen in der indonesischen Provinz Kalimantan auf 386. Einwohner der am stärksten verwüsteten Stadt Sampit schätzten die Zahl der Getöteten seit dem Beginn der Unruhen vor gut einer Woche allerdings auf mehrere tausend. Auch in der Provinzhauptstadt Palangkaraya wurden mindestens sieben Menschen getötet, wie ein AFP-Reporter berichtete. Dort brannten Dayak erneut Häuser nieder und plünderten Geschäfte von Maduresen. Ein Vertrauter der indonesischen Vizepräsidentin kündigte an, Megawati Sukarnoputri werde noch diese Woche nach Borneo reisen.

Bei den 118 verstümmelten Toten handele es sich um eine Gruppe Flüchtlinge, sagte ein Polizeisprecher. Sie seien zwar von der Polizei eskortiert worden, die rund 15 Beamten hätten aber gegen die etwa 600 Angreifer nichts ausrichten können. Nach Polizeiangaben ereignete sich das Massaker in der Nacht zum Montag im Bezirk Parenggean zwischen Palangkaraya und Sampit. Journalisten berichteten zudem von zahlreichen geköpften Leichen an Straßenrändern. In Palangkaraya forderte ein Anführer der Dayak von der Provinzregierung, die Maduresen aus Kalimantan auszuweisen. Ansonsten würden sie binnen drei Monaten von den Dayak von Borneo vertrieben. Die Polizei teilte mit, sie habe mit der Entwaffnung der Dayak in Palangkaraya begonnen.

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta sagte ein führendes Mitglied der Partei PDIP, Megawati werde nach Sampit reisen. Das Präsidialamt konnte diese Informationen allerdings nicht bestätigen. Der indonesische Präsident Abdurrahman Wahid, der sich auf einer Nahost-Reise befindet, bezeichnete die Berichte über die Gewalt auf Borneo als übertrieben. Sicherheitsminister Susilo Bambang Yudhoyono und Polizeichef Suroyo Bimantoro hätten bestätigt, dass die Situation in Sampit "voll unter Kontrolle" sei, zitierte die "Jakarta Post" den Präsidenten, der wegen seiner Abwesenheit stark kritisiert wird.

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