Mordfall Litwinenko : Polonium-Spuren in Hamburg bestätigt

In einer Hamburger Wohnung des Litwinenko-Kontaktmanns Kowtun haben Experten Spuren der hochgiftigen radioaktiven Substanz Polonium 210 nachgewiesen.

Hamburg - Bei den in Hamburg entdeckten radioaktiven Spuren handele es sich definitiv um Polonium-210, sagte der Sprecher der Sonderkommission "Dritter Mann", Thomas Menzel. Experten des Bundesamtes für Strahlenschutz hatten bereits am Freitag das Wohnhaus des russischen Ex-Geheimdienstlers und Geschäftsmannes Dmitri Kowtun (41) in Hamburg nach möglichen Spuren des radioaktiven Substanz Polonium 210 überprüft.

Spezialisten der Sonderkommission, unterstützt von Beamten von Scotland Yard, setzten unterdessen im Hamburger Stadtteil Ottensen die Strahlenmessung im Wohnhaus Kowtuns fort. Der frühere russische Spion Litwinenko war am 1. November, am Tag seines Treffens mit Kowtun in London, mit Polonium vergiftet worden und drei Wochen später gestorben.

Radioaktive Spuren in mehreren Wohnhäusern

"Die Untersuchungen laufen weiter, alles wird sehr akribisch geprüft", sagte ein Beamter der Sonderkommission. Hamburgs Polizeipräsident Werner Jantosch wollte sich am Nachmittag bei einer Pressekonferenz zum Stand der Ermittlungen äußern. Bei einer ersten Untersuchung des Mehrfamilienhauses waren bei Messungen radioaktive Spuren in der Wohnung der Ex-Frau Kowtuns entdeckt worden. Auch im Haus der Ex-Schwiegermutter in Haselau im Kreis Pinneberg (Schleswig- Holstein) wurden so genannte Alpha-Strahlen gemessen, die bei radioaktivem Zerfall entstehen. Das Haus in Haselau wurde versiegelt, die Bewohner des Hauses in Hamburg mussten während der mehrere Tage dauernden Feinuntersuchungen ihre Wohnungen verlassen.

Wie das in Salzgitter in Niedersachsen ansässige BfS weiter mitteilte, seien bei den Messungen "in mehreren Wohnungen geringe Spuren radioaktiver Stoffe nachgewiesen, bei denen es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Polonium handelt". Bisher steht nach Polizeiangaben fest, dass Kowtun am 1. November mit einem Flugzeug der Gesellschaft "Germanwings" von Hamburg nach London geflogen ist. Dort traf er sich mit Litwinenko. Dieser war sehr wahrscheinlich an jenem Tag mit Polonium 210 vergiftet worden. Dritter Mann bei diesem Treffen war Andrej Lugowoj, ebenfalls Geschäftsmann und russischer Ex-Geheimagent.

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Beide leiden inzwischen an einer Strahlenkrankheit und liegen nach russischen Medienberichten in Moskau im Krankenhaus. Über den Gesundheitszustand Kowtuns lagen widersprüchliche Angaben vor. Ob er nach dem 1. November nach Hamburg zurückkehrte, ist noch unklar. Der Airbus A 319 von "Germanwings" ist mittlerweile wieder freigegeben, nachdem Experten des BfS keine radioaktiven Spuren gefunden hatten.

Die Witwe Litwinenkos äußerte unterdessen den Verdacht, dass russische Behörden für den Tod ihres Mannes verantwortlich sein könnten. Ihr Mann war am vergangenen Donnerstag in einem strahlensicheren Sarg in London beerdigt worden. (tso/ddp/dpa)

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