Politik : Mordplan aufgedeckt

Islamisten hatten Verbindung in die Niederlande

Ralph Schulze[Madrid]

Die portugiesische Polizei hat offenbar kurz vor der Eröffnung der Fußball-Europameisterschaft im Juni Terrorpläne islamistischer Fanatiker gegen den designierten EU-Kommissionschef Jose Manuel Durao Barroso vereitelt. Wie der ehemalige Polizeichef Adelino Salvado der portugiesischen Tageszeitung „Diario“ bestätigte, sollte der frühere konservative Regierungschef Portugals wahrscheinlich am Vorabend der EM-Eröffnungszeremonie ermordet werden. Die Spur führt in die Niederlande: Einige der mutmaßlichen arabischen Terrorverdächtigen stünden in Verbindung zu jener Terrorzelle in den Niederlanden, die für den Mordanschlag auf den Filmemacher Theo van Gogh verantwortlich gemacht wird.

Die Attentäter wollten den Angaben zufolge während eines abendlichen Empfangs zuschlagen, den Barroso kurz vor Anpfiff der EM für prominente Gäste aus aller Welt gab. Die islamistischen Fanatiker, insgesamt 18, seien Stunden zuvor festgesetzt worden. Der Verdacht war geheim gehalten worden, um Panik während der EM zu vermeiden. Trotzdem war damals durchgesickert, dass Islamisten nach einem Hinweis des niederländischen Geheimdienstes festgenommen worden seien. Später hieß es, der Haftrichter habe keine Hinweise auf terroristische Aktivitäten gefunden und die Ausweisung der Islamisten angeordnet.

Inzwischen weiß man offenbar mehr. Einer der damaligen Hauptverdächtigen, ein Marokkaner, soll in Amsterdam mit dem mutmaßlichen Mörder van Goghs, Mohammed Bouyeri, in einer Wohnung gelebt haben. Auch zwei weitere der portugiesischen Terrorverdächtigen sollen jenem arabischen Kommando angehören, das in den Van-Gogh-Anschlag verwickelt ist.

Wie der portugiesische Terrorermittler Salvado nun berichtet, hatten die Behörden vor der EM-Eröffnung nur wenige beweiskräftige „Hinweise, dass die Extremisten etwas vorbereiteten“. Sie waren, wie man inzwischen feststellte, mit einem VW-Golf mit holländischem Nummernschild unterwegs, der dem mutmaßlichen Van-Gogh-Mörder Bouyeri gehören soll. Obwohl die Sicherheitsbehörden anderer Länder damals abgeraten hätten, die Islamisten festzunehmen, um sie weiter verfolgen zu können, habe man sich für den Zugriff entschieden. „Wir wollten kein Risiko eingehen“, so die Ermittler. Nach der Ausweisung der Terrorverdächtigen, gegen die damals nicht genug für eine Verurteilung vorlag, verlor sich dann die Spur der Islamisten.

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