Moshammer : Der Kini

Der Modemacher Rudolph Moshammer war stets eine der schillernsten Figuren der Münchner Schickeria. In Erinnerung ist aber vor allem auch sein soziale Engagement.

München - Er war eine der schillerndsten Figuren der Münchner Schickeria. Stets trat der Modemacher Rudolph Moshammer perfekt gestylt auf, auf dem Arm sein Markenzeichen: Yorkshire-Hündin Daisy. Regelmäßig war er Gast bei Prominenten-Partys und in Talkshows, man sah ihn im Rolls-Royce durch die Stadt kurven oder traf ihn in Nobelgaststätten. Seinen extravaganten Lebensstil zelebrierte er nach allen Regeln der Kunst - nur eines hielt er verborgen: seine Homosexualität. In der Nacht zum 14. Januar dieses Jahres wurde er in seiner Doppelhaushälfte im noblen Vorort Grünwald umgebracht, sein Mörder erdrosselte ihn im Streit um den Liebeslohn.

Die Tat erregte bundesweit Aufsehen, doch auch die unappetitlichen Hintergründe des Verbrechens konnten die Verbundenheit der Fans mit ihrem «Mosi» kaum trüben. Moshammer-Souvenirs wurden im Internet zu Höchstpreisen gehandelt. 15.000 Menschen säumten am Tag seiner Beerdigung bei eisigem Schneetreiben die Straßen, als der Trauerzug mit Moshammers Sarg nach einer Feier in der Allerheiligen-Hofkirche - früher das Gotteshaus der bayerischen Könige - zum Ostfriedhof startete. Moshammer fand auf dem Ostfriedhof in dem für seine 1993 gestorbene Mutter Else errichteten Mausoleum seine letzte Ruhe.

Moshammers barocke Art zu leben faszinierte die Menschen, es schien, als habe er auch ihre Träume verwirklicht. Wie einsam er aber in Wirklichkeit war, ahnte hinter der perfekten Fassade kaum jemand. Auch mit seinem sozialen Engagement für Obdachlose gewann er die Herzen. Selbst aus armen Verhältnissen stammend, unterstützte er zusammen mit Mutter Else immer wieder Nichtsesshafte finanziell. Manches Mal verteilten die Moshammers selbst Essen und Kleidung unter den Isar-Brücken. Zuletzt setzte er sich für ein neues Obdachlosenheim ein. Einen Großteil seines Erbes vermachte er Nichtsesshaften.

Moshammer hatte in den sechziger Jahren begonnen, extravagante Mode zu entwerfen. Seine Münchner Edelboutique in der noblen Maximilianstraße mit Herrenmode der Luxusklasse aus Pelzen, Kaschmir oder Seide galt zeitweise als erste Adresse. Dass er angeblich nie eine Schneiderlehre absolvierte, tat seinem Erfolg keinen Abbruch: Er kleidete Prominente aus Politik, Wirtschaft und Showgeschäft ein: Arnold Schwarzenegger, Startenor José Carreras, die Magier Siegfried & Roy, Schauspieler Richard Chamberlain und Thomas Gottschalk zählten zu seinen Kunden.

Die Münchner Tradition lag ihm stets am Herzen. 1983 kaufte Moshammer die Traditions-Gaststätte «Hundskugel», eines der drei ältesten Münchner Häuser, 1440 erbaut. Er schrieb Bücher wie «Elegant kochen ohne Schnickschnack», «Mein geliebtes München» und für sein Schoßhündchen «Ich, Daisy. Bekenntnisse einer Hundedame». Seiner über alles geliebten Mutter setzte er mit «Mama und ich» ein literarisches Denkmal.

Moshammer wurde am 27. September 1940 in München geboren, wie vor einigen Jahren bei einer Gerichtverhandlung in Österreich wegen eines Verkehrsdeliktes bekannt wurde. Das wahre Geburtsdatum schien ihm unpassend: Er machte sich in der Öffentlichkeit einfach jünger. (tso/dpa)

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