Politik : Moskau beschlagnahmt das Ölimperium Jukos

Justiz übernimmt Aktien des verhafteten Managers und kontrolliert fast die Hälfte / Putin nimmt Rücktritt seines Stabschef an

Elke Windisch

Moskau . Fünf Tage nach der Verhaftung von Michail Chodorkowskij, dem Chef des zweitgrößten russischen Ölkonzerns Jukos, hat die Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag 44, nach anderen Meldungen 46 Prozent der Aktien des Unternehmens beschlagnahmt. Der Börsenindex RTS stürzte um 8,4 Prozent ab. Die Jukos-Aktie, die schon am Montag ein Fünftel ihres Wertes verloren hatte, gab erneut um 12 Prozent nach. Analysten sprachen von einer Panikreaktion, weil vor Börsenschluss die Rede davon gewesen war, dass die Staatsanwaltschaft 53 Prozent und damit die Mehrheit der Aktien beschlagnahmt habe. Das war offenbar auch geplant, wie ein Jukos-Manager dem Tagesspiegel sagte. Den Ermittlern war aber entgangen, dass das Unternehmen in den letzten Tagen offenbar neue Aktien aufgelegt hatte.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Mehrheit der Jukos-Aktien sei faktisch im Besitz Chodorkowskijs. Sie begründete ihr Vorgehen damit, einen Verkauf an Dritte zu verhindern. Chodorkowskij, dessen Privatvermögen auf rund acht Milliarden US-Dollar geschätzt wird, war am Samstag wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und des Betrugs festgenommen worden. Ihm und seinen Beratern wird vorgeworfen, den russischen Staat bei den Privatisierungen in den 90er Jahren unter Wladimir Putins Vorgänger Boris Jelzin um mehr als eine Milliarde Dollar betrogen zu haben. Der Wert der beschlagnahmten Aktien, so zitierte der US-Sender Radio Liberty die Staatsanwaltschaft, entspreche in etwa dem Schaden, den Chodorkowskij angerichtet haben soll. Es wurde spekuliert, ob die Verhaftung auch im Zusammenhang mit Chodorkowskijs Unterstützung politischer Gegner von Präsident Putin stehen könnte. Der Konzern sprach von „gröbsten Verstößen gegen Aktien- und internationales Privatrecht“.

Derweil hat Putin den Rücktritt seines Stabschefs Alexander Woloschin angenommen. Zum Nachfolger Woloschins wurde einer seiner bisherigen Stellvertreter, Dmitri Medwedew, ernannt. Medwedew gehört zu Putins Petersburger Landsmannschaft und kommt wie der Präsident selbst aus dem Umfeld der Geheimdienste. Woloschin dagegen galt als „Schutzherr“ von Chodorkowskij. Nach der Verhaftung des Managers hatten Beobachter die Entlassung Woloschins für eine Zeitfrage gehalten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben