• Moskau fühlt sich provoziert - das Kräftemessen zwischen albanischen Demonstranten und russischen KFOR-Soldaten hält an

Politik : Moskau fühlt sich provoziert - das Kräftemessen zwischen albanischen Demonstranten und russischen KFOR-Soldaten hält an

Das Kräftemessen zwischen Kosovo-Albanern und russischen Soldaten der Friedenstruppe KFOR in Orahovac ist auch am Dienstag nicht entschieden worden. Mehrere hundert Kosovo-Albaner blockierten weiter die Zufahrtsstraßen zur Stadt, um die Stationierung russischer KFOR-Soldaten zu verhindern. Ein Gepräch zwischen KFOR und Vertretern der Kosovo-Albaner brachte keinen Erfolg. Das russische Außenministerium sprach von einer "Provokation". Die Kosovo-Albaner sehen in den Russen Verbündete der Führung in Belgrad. Unterdessen trafen Bundesaußenminister Fischer (Grüne) und sein französischer Amtskollege Vedrine zu einer eintägigen Visite in Pristina ein. Dort wollten sie mit dem Leiter der UN-Mission im Kosovo (Unmik), Bernard Kouchner, KFOR-Befehlshaber Michael Jackson, den Politikern Thaci und Rugova sowie Erzbischof Artemije zusammentreffen. Die UNO zeigte sich äußerst besorgt über die Massenflucht der Serben aus dem Kosovo.

Dutzende Autos, Traktoren und Lastwagen bewegten sich auf den Zufahrtsstraßen nach Orahovac keinen Millimeter von der Stelle. Nach Angaben der niederländischen KFOR demonstrierten am Dienstagnachmittag auch 150 Serben gegen die Stationierung der Russen. Die Beweggründe dafür blieben zunächst unklar. Die Verhandlungen, an denen Vertreter der albanischen und der serbischen Bevölkerung der Stadt sowie der deutschen, der niederländischen und der russischen KFOR-Einheiten teilnahmen, konnten den Konflikt nicht entschärfen. Nach Einschätzung des niederländischen KFOR-Kommandeurs Marcel Van Weerd werden die Kosovo-Albaner ihre Blockade nicht lange aufrecht erhalten. Notfalls könne die Straßensperre relativ einfach durch die KFOR geräumt werden, sagte Van Weerd.

Das Außenministerium in Moskau bezeichnete die Straßenblockade als "Provokation". Russland habe sich im Kosovo-Konflikt für die Gleichberechtigung aller Bewohner der Provinz eingesetzt, erklärte das Ministerium. Die Kosovo-Albaner befürchten, dass die Russen mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher schützen und sich auf die Seite der rund 2000 Serben in Orahovac stellen. Orahovac liegt im deutschen Sektor, in dem 750 russische Soldaten stationiert werden sollen. Bislang erfüllen niederländische KFOR-Soldaten die Aufgaben in der Stadt.

Das Außenministerium in Berlin erklärte, Ziel der Mission von Minister Fischer sei es, alle Gruppen im Kosovo zum Gewaltverzicht aufzufordern und für eine Zusammenarbeit mit der KFOR und der UN-Mission im Kosovo zu werben. Vor seiner Abreise hatte Vedrine die UCK-Kämpfer aufgefordert, umgehend ihre Waffe niederzulegen. Nur so könne für alle im Kosovo lebenden Menschen die Sicherheit gewährleistet werden. Die Aufgaben der internationalen Gemeinschaft im Kosovo seien noch lange nicht bewältigt. Der französische Außenminister äußerte Verständnis für die Flucht serbischer Zivilisten. Die internationale Gemeinschaft müsse sie jedoch in kleinen Schritten davon überzeugen, dass sie zurückkehren könnten.

Inzwischen lebten nur noch weniger als 30 000 Serben in der Provinz, sagte UNHCR-Sprecher Kris Janowski in Genf. Es zeichne sich die "extrem traurige" Entwicklung hin zu einem Kosovo "ohne Serben" ab. Dem Deutschlandradio Berlin sagte Janowski, bislang hätten etwa 180 000 Serben und Nicht-Albaner die Provinz verlassen.

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