Politik : Moskau fürchtet Revolte im Iran Obama attackiert Regime Teheran: Status quo bleibt

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Könnte der Aufruhr in Tunesien und Ägypten auch die Iraner erneut zum Aufbegehren bringen? Russlands Außenminister Sergej Lawrow hält derartige Entwicklungen nach den Massenprotesten zu Wochenbeginn – den größten seit der umstrittenen Präsidentenwahl im Sommer 2009 – für durchaus möglich. Eindringlich warnte er das Ausland daher während seines London-Besuchs davor, die Gegner von Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit Ratschlägen zu unterstützen, die bisweilen „radikalen Charakter“ hätten. Die Steilvorlage zu der Demarche hatte Moskaus Chefdiplomaten dessen US-Kollegin geliefert: Hillary Clinton, die das iranische Volk aufgerufen hatte, sich ein Beispiel an Ägyptern und Tunesiern zu nehmen. Russland, so Lawrow, habe von Revolutionen „mehr als genug abbekommen“, Aufrufe dazu seien auch für andere Länder „kontraproduktiv“. Vor allem aus Angst vor einem Regimewechsel in Teheran sperrt Moskau sich auch dagegen, die Islamische Republik mit neuen Sanktionen wegen des umstrittenen Atomforschungsprogramms abzustrafen. Sanktionen, so Lawrow, würden die iranische Wirtschaft „abwürgen“, ausbaden müsste es die Bevölkerung.

Zwar sind die russisch-iranischen Beziehungen alles andere als ungetrübt. Moskau fürchtet, mit Teheran könnte sich ein weiterer Staat illegal Zutritt zum Klub der Atommächte verschaffen. Dazu kommt, dass die einvernehmliche Teilung des öl- und gasreichen Kaspischen Meeres – Voraussetzung für mehrere ambitionierte Energieprojekte des Westens – vor allem wegen Irans Widerstand seit Jahren auf der Stelle tritt. Mit Sorge verfolgt Russland auch Bemühungen Teherans, in der Kaspi-Region erneut die Rolle einer Großmacht zu spielen, ein Status, den Moskau für sich selbst beansprucht. Ein Regimewechsel in Teheran hätte jedoch für Russland noch fatalere Folgen. Übernehmen pro-amerikanische Kräfte, ist es aus russischer Sicht eine bloße Zeitfrage, wann deren Paten in Washington auf Export der Revolution in die zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken drängen. Moskaus Einfluss in der Region würde dann gegen null tendieren.

US-Präsident Barack Obama verurteilte unterdessen Teherans Reaktion auf die jüngsten Unruhen, bei denen es am Montag mindestens zwei Tote gegeben haben soll, ungewöhnlich scharf. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad nannte die Bemühungen der Oppositionskräfte am Dienstag „aussichtslos“: „Sie sollten wissen, dass sie am Status quo nicht rütteln können.“WEIßES HAUS] mit dpa

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