Politik : „Moskau muss so viel zahlen wie Berlin“ Forderung nach mehr Geld für Jugendaustausch

Claudia von Salzen

Berlin - Das Ziel ist ehrgeizig: Abbau von Feindbildern, mehr Verständnis für den anderen, mehr Wissen über das fremde Land – dazu soll der verstärkte Austausch von Schülern und Jugendlichen aus Deutschland und Russland beitragen. Beide Länder unterzeichneten im Dezember 2004 ein Abkommen über den Jugendaustausch. Als Vorbild für das Projekt gilt das deutsch-französische Jugendwerk. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwieriger als gedacht: In Deutschland gibt es nun Kritik an der mangelnden finanziellen Ausstattung des Koordinierungsbüros in Moskau, das den Austausch auf russischer Seite organisiert. „Die russische Regierung muss genauso viel Geld bereitstellen wie die Bundesregierung“, forderte Hans-Friedrich von Ploetz, Sprecher der Geschäftsführung der Stiftung DeutschRussischer Jugendaustausch, im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Die Bundesregierung hat bis 2009 sieben Millionen Euro für den Jugendaustausch mit Russland zugesagt. Die Robert-Bosch-Stiftung und der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft zahlen gemeinsam weitere sieben Millionen, dazu kommen noch 500 000 Euro vom Hamburger Senat. Während die deutsche Stiftung also finanziell gut ausgestattet ist, reicht das Geld bei der Moskauer Partnerorganisation dem Vernehmen nach für nicht viel mehr als die Bürokosten. „Unsere Kollegen müssen für jede einzelne Maßnahme um Geld betteln“, kritisierte von Ploetz, der bis 2005 deutscher Botschafter in Moskau war.

In dem Abkommen haben sich Deutschland und Russland verpflichtet, „finanzielle Rahmenbedingungen“ für den Austausch zu schaffen. Doch Moskau sieht offenbar in erster Linie die Regionen in der Pflicht. Allerdings könnten sich russische Schulen, die einen Austausch mit Deutschland planen, kaum darauf verlassen, dass ihre Region wirklich die Kosten übernimmt, sagen Kritiker. Deshalb erhalten die Austauschschüler Geld aus Deutschland für die Reise – obwohl das im Abkommen ausdrücklich anders geregelt ist: Demnach zahlt das Gastgeberland Unterkunft, Verpflegung und das Programm vor Ort, das Herkunftsland der Schüler trägt die Reisekosten. Das Geld für die russischen Schüler kommt zwar nicht von der Stiftung, sondern vom Pädagogischen Austauschdienst, der schon lange vor dem Abschluss des Abkommens mit der Förderung begann. Allein 2005 wurden 1642 Schüler unterstützt. Doch die Mittel werden vom Auswärtigen Amt bereitgestellt – indirekt kommt also die Bundesregierung für die fehlenden Gelder aus Russland auf. Damit soll aber 2008 endgültig Schluss sein. In Deutschland hofft man, dass Moskau das Abkommen dann einhält. „Das Geld wird kommen“, sagt von Ploetz. „Das muss nur ganz oben entschieden werden.“

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