Moskau : Neuer Angriff auf einen russischen Journalisten

Nach dem Angriff auf den Reporter Oleg Kaschin ist in Russland erneut ein Journalist zusammengeschlagen worden. Präsident Medwedew ruft zum Schutz der Medien auf.

Anatoli Adamtschuk sei in der Nacht zum Montag attackiert worden und habe ein Schädeltrauma und eine Gehirnerschütterung erlitten, berichtete der Radiosender Moskauer Echo. Zwei Unbekannte hätten Adamtschuk in einem Vorort von Moskau aufgelauert, sagte sein Kollege Sergej Grammatin dem Radiosender. In einem Appell forderten russische Journalisten Präsident Dmitri Medwedew zum Schutz der Medien auf. Medwedew sagte im Fernsehen: „Wer auch immer in dieses Verbrechen verwickelt ist, wird ungeachtet seiner Position, gesellschaftlichen Stellung oder Leistung bestraft werden.“ Angriffe auf Journalisten müssten „mit besonderer Sorgfalt“ verfolgt werden und dürften nicht mit anderen Verbrechen in einen Topf geworfen werden.

Der am Samstag vor seinem Haus in Moskau mit Baseballschlägern überfallene Kaschin lag unterdessen weiter im künstlichen Koma. Seinen Zustand beschrieben die Ärzte als „ernst, aber stabil“. Die russische Staatsanwaltschaft ging von einem Zusammenhang der brutalen Attacke mit Kaschins Arbeit aus. Die Zeitung „Kommersant“, Arbeitgeber von Kaschin, vermutete am Montag eine Verbindung zu dessen Berichterstattung über einen umstrittenen Autobahnbau durch den Chimki-Wald bei Moskau. Ebenfalls im Verdacht stehe die Kreml- nahe Jugendorganisation „Junge Garde“, die Kaschin im August auf ihrer Internetseite als „Informations-Saboteur“ beschimpft und mit „Bestrafung“ bedroht hatte. Außerdem habe der Journalist wegen Einträgen in seinem Blog Streit mit dem Gouverneur der Region Pskow gehabt, schrieb „Kommersant“ weiter.

„Das Recht eines Reporters, seinen Verpflichtungen nachgehen zu können, ohne um sein Leben fürchten zu müssen, ist auch das Recht unserer Gesellschaft, zu sprechen und gehört zu werden“, hieß es in einem offenen Brief, den „Kommersant“ auf der Titelseite veröffentlichte. „Journalisten in Russland müssen endlich geschützt werden. Die Behörden sind direkt für die Sicherheit der Medien im Land verantwortlich.“ Der Brief wurde zunächst von insgesamt 26 teils bekannten Journalisten und Herausgebern unterzeichnet. Nachträglich fügten hunderte Weitere ihre Namen hinzu. (AFP)

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