Moskau : Russlands Ex-Präsident Jelzin tot

Der erste demokratisch gewählte Präsident Russlands, Boris Jelzin, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Kanzlerin Merkel würdigte den Staatsmann als "mutigen Kämpfer für Demokratie und Freiheit".

Moskau - Der frühere russische Präsident Boris Jelzin ist am Montag im Alter von 76 Jahren gestorben. Das teilte der Pressedienst des Kremls in Moskau mit. Jelzin sei um 15:45 Uhr im Kremlkrankenhaus an Herzinsuffizienz gestorben, meldete die Agentur Interfax. In ersten Reaktionen würdigten russische Politiker die Verdienste Jelzins für sein Land, übten jedoch auch Kritik. Jelzin hatte das neue Russland in die Selbständigkeit geführt. Vielen blieb er aber als Verantwortlicher für Chaos, Armut und Raubkapitalismus in den 1990er Jahren in Erinnerung.

Jelzin war im Juni 1991 zum ersten Präsidenten der russischen Teilrepublik innerhalb der Sowjetunion gewählt worden. Nach dem Zusammenbruch des Riesenreichs wurde er der erste Staatschef des neuen Russlands und hatte das Amt bis Ende 1999 inne. Im August 1991 verteidigte er auf einem Panzer stehend das Parlament gegen die kommunistischen Hardliner, die gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow geputscht hatten. In seine Regierungszeit fielen aber auch der Beginn der beiden Tschetschenienkriege 1995 und 1999 und die große Wirtschaftskrise im August 1998.

Gorbatschow: "Er hat viele große Fehler gemacht"

Den Berlinern ist er in Erinnerung als derjenige russische Präsident, der im August 1994 mit einer großen Parade die letzten russischen Truppen aus Deutschland verabschiedete.

Der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow würdigte die Verdienste des verstorbenen russischen Ex-Präsidenten. "Ich spreche der Familie des Toten mein Beileid aus. Er hat dem Land große Dienste geleistet, aber auch große Fehler gemacht", sagte Gorbatschow der Agentur Interfax. Jelzin hatte Gorbatschow 1991 im Kreml beerbt, die Feindschaft zwischen beiden dauerte bis zuletzt fort.

"Heute sind die wilden 1990er Jahre zu Ende gegangen

Der Chef der russischen Journalisten-Union, Igor Jakowenko, sagte, Jelzin habe den Russen die Freiheit gegeben. "Heute sind die wilden, freien und berauschenden 1990er Jahre zu Ende gegangen", sagte Jakowenko. Der russisch-orthodoxe Patriarch Alexi II. sagte, Jelzin habe zur russischen Geschichte einen wichtigen Beitrag geleistet. Er habe den Menschen die Möglichkeit geben, in ihrer religiösen Tradition für ihr Land zu wirken.

Der liberale Politiker und frühere Vizeregierungschef Boris Nemzow sagte, Jelzin habe sein Land geliebt. Unter dem jetzigen Präsidenten Wladimir Putin seien jedoch viele der Freiheiten, für die Jelzin gekämpft habe, wieder eingeschränkt worden.

Kohl: Jelzin war "treuer Freund der Deutschen"

Schon zu seiner Amtszeit hatte Jelzin unter Herzproblemen gelitten. Im Wahlkampf um seine Wiederwahl im Jahr 1996 musste der Präsident mehrfach pausieren. Nach seinem Wahlsieg musste er sich in einer Moskauer Klinik einer mehrfachen Bypass-Operation am Herzen unterziehen. Seit 2001 kam Jelzin regelmäßig zu Nachunteruntersuchungen ins Berliner Herzzentrum, zuletzt im vergangenen Oktober.

Altbundeskanzler Helmut Kohl würdigte den verstorbenen russischen Präsidenten als "großen Staatsmann" und "treuen Freund der Deutschen". "Seine Verdienste um die russisch-deutschen Beziehungen und den Weltfrieden sind nicht hoch genug einzuschätzen", erklärte Kohl. Er bezeichnete Jelzin als persönlichen Freund, mit dem er eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete Jelzin als "mutigen Kämpfer für Demokratie und Freiheit" sowie als wahren Freund Deutschlands. "Sein Beitrag zur Entwicklung der Beziehungen unserer beiden Staaten bleibt unvergessen", schrieb Merkel in einem Kondolenzschreiben an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und die Angehörigen Jelzins. Jelzin sei eine große Persönlichkeit der russischen und internationalen Politik gewesen. Deutschland werde ihm ein ehrendes Andenken halten. (tso/dpa)

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