Moskauer Anschläge : Putin: "Hintermänner vom Boden der Kanalisation kratzen"

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Sicherheitskräfte seines Landes mit drastischen Worten aufgefordert, die Drahtzieher der Moskauer Anschläge dingfest zu machen.

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Drastische Wortwahl nach verheerender Tat: Wladimir Putin.Foto: AFP

Nach dem Doppelanschlag in der Moskauer U-Bahn hat Ministerpräsident Wladimir Putin die Sicherheitskräfte energisch zur Suche nach den Drahtziehern aufgefordert. Während sich die Ermittlungen am Dienstag auf Rebellen aus dem Nordkaukasus und zwei mutmaßliche Helferinnen der Attentäterinnen konzentrierten, schloss Außenminister Sergej Lawrow auch eine Beteiligung von El Kaida nicht aus. Moskau beging einen Trauertag für die 39 Toten.
  
Die „Komplizen und Hintermänner der Tat“ hielten sich versteckt und müssten „vom Boden der Kanalisation gekratzt und ans Tageslicht gebracht“ werden, sagte Putin im russischen Fernsehen. Dies sei „eine Frage der Ehre für die Sicherheitskräfte“.
  
Wie russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Sicherheitskreise berichteten, wurden die beiden Selbstmordattentäterinnen, die sich am Montag im morgendlichen Berufsverkehr in den U-Bahn-Stationen Lubjanka und Park Kultury in die Luft gesprengt hatten, von zwei Frauen begleitet. Neben den Frauen, die auf Überwachungskameras zu erkennen waren, suchte die Polizei auch nach einem möglichen dritten Helfer.

Die Internetseite Life.ru veröffentlichte Bilder der Ättentäterinnen, laut einem Sprecher der Leichenhalle war eine von ihnen zwischen 20 und 25 Jahren alt. Einem Bericht von Interfax zufolge trafen die Frauen am Montagmorgen in einem Privatbus aus dem Nordkaukasus in Moskau ein.
  
Präsident Dmitri Medwedew sprach sich für eine Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze aus. Um Anschläge in Zukunft zu verhindern, müsse das Hauptaugenmerk auf einer Verbesserung der Gesetzgebung liegen, sagte Medwedew nach einem Treffen mit hochrangigen Justizvertretern.
  
Zu der Tat, bei der auch 83 Menschen teils schwer verletzt wurden, bekannte sich zunächst niemand. Der Chef des Geheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, machte jedoch Rebellen aus dem Nordkaukasus für den Anschlag verantwortlich.

Lawrow brachte auch eine Verbindung der Täter zu islamistischen Terroristen aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ins Spiel. Dort würden viele Anschläge geplant.
  
In Moskau wehten die Flaggen auf Halbmast, viele Menschen legten Blumen am Anschlagsort nieder. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft. In der orthodoxen Christ-Erlöser-Kathedrale wurde ein Trauergottesdienst gefeiert. Am Nachmittag wurden rund 100 Menschen aus der Kirche in Sicherheit gebracht, nachdem kurz zuvor telefonisch eine Bombendrohung eingegangen war. Die Polizei entdeckte jedoch keine Sprengsätze.
  
US-Präsident Barack Obama bot Medwedew telefonisch die Zusammenarbeit der USA beim Vorgehen gegen die Drahtzieher an. Auch die Außenminister der G-8-Staaten verurteilten die „feigen Attentate“. (AFP)

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