Politik : Moskaus Wunschkandidat wird in Armenien Präsident

Elke Windisch[Moskau]

Sersh Sarkisjan, der bisherige Premier und vormalige Verteidigungsminister, wird neuer Präsident Armeniens. Er erhielt bei den Wahlen am Dienstag laut vorläufigem amtlichen Endergebnis rund 53 Prozent der Stimmen. Sarkisjan, der Architekt des armenischen Sieges im Krieg um Berg-Karabach, einer zu Aserbaidschan gehörenden, aber mehrheitlich von Armeniern besiedelten Exklave, war schon vor der Abstimmung ein politisches Schwergewicht. Ihm wurde nahezu unbegrenzter Einfluss auf Armeniens bisherigen Präsidenten Robert Kotscharjan nachgesagt. Bis 1998 selbst Chef des Separatistenregimes in Karabach, wurde Kotscharjan dann vom sogenannten Karabach-Clan, dessen inoffizieller Wortführer Sarkisjan ist, auch in der armenischen Hauptstadt Jerewan auf den Präsidentensessel gehievt. Auch mit der Maßgabe, die Interessen der international nicht anerkannten Exklave energischer zu vertreten.

Weil die armenische Verfassung die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Legislaturperioden begrenzt, durfte Kotscharjan bei den Wahlen am Dienstag jedoch nicht mehr antreten und setzte den ehrgeizigen Sarkisjan, dessen Ambitionen ihm immer unheimlicher wurden, frühzeitig als Nachfolger ein. Dessen Sieg stand zunächst schon vorher so fest wie der von Dmitri Medwedew in Russland – bis im Herbst eine Koalition aus über 20 Oppositionsparteien Lewon Ter-Petrosjan als Gegenkandidaten aufstellte. Er hatte die kleine ehemalige Sowjetrepublik im Südkaukasus 1990 in die Unabhängigkeit geführt, war dann als Präsident im Amt bestätigt worden und 1998 durch die Palastrevolution des Karabach-Clans um Sarkisjan gestürzt worden.

Allein schon diese Zusammenhänge sorgten für Spannung und eine Polarisierung der Wähler in zwei unversöhnliche Lager. Sarkisjan steht für eine prorussische Außenpolitik und ist Chef der Hardliner- Fraktion in dem nach wie vor ungelösten Konflikt um den künftigen Status von Karabach. Ter-Petrosjan dagegen ist Pragmatiker und zu Kompromissen bereit. Und dies sowohl im Karabach-Konflikt als auch im Konflikt mit der Türkei, die 1991 aus Solidarität mit den ethnisch eng verwandten Aserbaidschanern ihre Grenzen zu Armenien schloss. Armenien wickelt den Löwenanteil seines Außenhandels seither über den Iran ab und könnte in einer Achse Moskau–Teheran ein wichtiges Zwischenglied werden. Praktisch durchführbar ist das nur mit dem prorussischen Sarkisjan. Moskau und die einflussreiche armenische Landsmannschaft in Russland unterstützten ihn daher von Anbeginn an.

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