Mubarak-Prozess : Eiserner Käfig statt eiserne Hand

Mord, Beteiligung an Mord und Bereicherung - so lautet die Anklage gegen Ägyptens Ex-Präsidenten Hosni Mubarak. Der Herrscher mit der eisernen Hand erschien am Mittwoch als gebrochener Mann vor dem Kairoer Gericht.

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Mit dem Urteil wird Mubarak für den Tod von mehr als 800 Demonstranten mit verantwortlich gemacht. Seine Augen verbirgt der Ex-Machthaber im Prozess hinter den dunklen Gläsern einer Sonnenbrille.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
02.06.2012 16:06Mit dem Urteil wird Mubarak für den Tod von mehr als 800 Demonstranten mit verantwortlich gemacht. Seine Augen verbirgt der...

Um 9.58 Uhr hielt Ägypten den Atem an, als sich die schmale Tür an der Seitenwand des wuchtigen, schwarzen Eisenkäfigs öffnete. Hintereinander traten die zehn weiß gekleideten Angeklagten ein. Alle Blicke jedoch ruhten einzig auf dem letzten in der Reihe, der auf einer Krankenbahre hereingerollt wurde: Mohammed Hosni Mubarak, 30 Jahre lang Präsident der Arabischen Republik Ägypten und im Februar durch einen 18-tägigen Aufstand von seinem eigenen Volk gestürzt.

Für einen Moment herrschte Stille im Auditorium von Kairos nationaler Polizeiakademie im Bezirk Neu-Kairo direkt am Rande der Wüste. Außerhalb der Mauer, vor dem Eingangstor Nummer acht an der großen Fernsehleinwand unterbrachen selbst die Pro- und Contra-Mubarak-Demonstranten kurz ihre Prügeleien und Steinwurfschlachten und starrten mit aufgerissenen Augen auf die Livebilder ihres Staatsfernsehens.

Seit seiner letzten störrischen Fernsehrede am 10. Februar, dem Vorabend seines Sturzes, hatte niemand am Nil Mubarak mehr öffentlich gesehen. Jetzt tauchte er hinter den rautenförmigen Gittern wieder auf - ein gebrochener Mann, bis zum Oberkörper bedeckt mit einem weißen Laken, dem immer wieder Tränen aus den Augen rinnen. Seit seinem Sturz nagt eine schwere Depression an seiner Seele und ein Krebs an seinem Körper. Manchmal scheint es, er würde das weiße Tuch auf seiner Bahre am liebsten ganz über das Gesicht ziehen und sich von der Welt verabschieden.

Seit April lag der 83-Jährige total abgeschirmt im Internationalen Hospital von Sharm al Sheikh, zuletzt versuchte er sogar eine Art Hungerstreik, um dem Auftritt vor dem Kairoer Tribunal doch noch zu entgehen. Seine Haut wirkt gelblich-kränklich, die Haare allerdings – wie früher – makellos schwarz gefärbt. Bisweilen starrte er verloren vor sich hin, dann wieder vergrub er sein Gesicht unter beiden Armen.

Erst am frühen Morgen war Mubarak mit einer Militärmaschine nach Kairo geflogen worden. Für die Dauer des Prozesses in seinem Kriminalfall 3642 soll er nun in einem Kairoer Militärhospital bleiben. Der zweite Verhandlungstag ist für den 15. August anberaumt.

Mubarak und sein Gefolge könnte am Galgen enden. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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