München : Der OB-Kandidat und die "Entlausung"

Der CSU-Mann Josef Schmid will Oberbürgermeister von München werden. In einer Rede versprach er, die Landeshauptstadt vom politischen Gegner zu "entlausen" - damit ist Schmid in ein ziemliches PR-Desaster geschlittert.

Michael Hörz
Josef Schmid, CSU
Josef Schmid, der OB-Kandidat für München. -Foto: dpa

MünchenDer Streit um den "Entlausungs"-Vergleich von Josef Schmid geht weiter. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, bezweifelte Schmids Eignung als Stadtoberhaupt. "Zumindest muss sich der Kandidat Gedanken machen, ob und inwieweit er die Voraussetzungen für das verantwortungsvolle Amt des Münchner Oberbürgermeisters mitbringt", sagte sie "Spiegel Online". Der CSU-Herausforderer des derzeitigen Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD) entschuldigte sich heute zum dritten Mal. Unterdessen attackierte die CSU den bayerischen SPD-Landesgruppenchef Florian Pronold, der CSU-Generalsekretär Markus Söder als "Kotzbrocken" bezeichnet hatte.

Der 38 Jahre alte Schmid hatte die rot-grüne Rathausmehrheit sowie Ude mit einer Laus in der Mähne des bayerischen Löwen verglichen und die schnelle "Entlausung" Münchens gefordert. Kritiker hatten ihm daraufhin vorgeworfen, er bediene sich im Wörterbuch des Nationalsozialismus, dessen Vertreter zur Rechtfertigung ihres Antisemitismus von Ratten und Läusen gesprochen hätten. Knobloch bezeichnete es als "degoutant", SPD und Grüne "mit Ungeziefer gleichzusetzen und aus dem demokratischen Wettbewerb ausschließen zu wollen". Die CSU solle sich überlegen, mit wem sie ins Rennen gehe.

In der Münchner CSU sind verbale Entgleisungen allerdings nichts Neues. Der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Erich Riedl hatte zwischendurch versprochen, München zur "asylantenfreien Zone" zu machen. Möglicherweise spricht aus solchen Äußerungen auch ein gewisser Unmut darüber, ausgerechnet in der Hauptstadt des CSU-dominierten Bayern seit Jahrzehnten keinen Fuß auf den Boden zu bekommen. Seit 1948 gelang es der CSU nur für eine einzige Wahlperiode, den Oberbürgermeister zu stellen. Ansonsten dominieren die Sozialdemokraten und ihre Koalitionspartner das Geschehen.

SPD schließt auf: Söder ein "Kotzbrocken"

Umgekehrt demonstriert die Landes-SPD einen gewissen Frust über ihren geringe Bedeutung gegenüber der CSU. So hatte der bayerische SPD-Vize Florian Pronold mit Blick auf Spekulationen, wonach Söder neuer Staatskanzleichef werden könne, in einer Mitteilung geschrieben: "Eine solche Beförderung des Stoiber-Günstlings und größten Kotzbrockens der deutschen Politikszene ist den Bayern nicht zuzumuten." Die Christsozialen ließen sich nicht lange bitten, diese Entgleisung heftig zu kritisieren.

CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann erklärte, diese Worte seien "unerträglich und nicht akzeptabel". Mittlerweile allerdings sei die entsprechende Passage auf der Internetseite der Bayern-SPD geändert worden. Am Dienstag hieß es auf der Internetseite der SPD: "...des Stoiber-Günstlings und ungeliebtesten Vertreters der deutschen Politikszene...". (mit dpa)

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