Politik : Münchner Nazi-Netz reicht in den Osten

Razzia in Berlin / Rechtsextreme aus der Uckermark sollen mit Terrorverdächtigen kooperiert haben

Frank Jansen

Berlin. Die Ermittlungen gegen die unter Terrorverdacht stehenden Neonazis weiten sich aus. Die Polizei nahm am Donnerstag in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern einen Mann fest. Er steht in Verdacht, die Münchner Rechtsextremisten um den Szeneanführer Martin Wiese unterstützt zu haben, die Anschläge in der bayerischen Landeshauptstadt geplant hatten. Im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf wurde eine Wohnung durchsucht und der Mieter festgenommen. An dem Einsatz war neben dem Landeskriminalamt auch ein Spezialeinsatzkommando aus Brandenburg beteiligt, das einen Pitbull erschoss. Grund für die Festnahme waren vier Handfeuerwaffen, die die Polizei entdeckte. In dem Müncher Verfahren gilt er nur als Zeuge.

Gegen den Mecklenburger hatte die Bundesanwaltschaft einen Haftbefehl erwirkt – wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Waffengesetz. Außerdem bestehe der Anfangsverdacht der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, hieß es in Karlsruhe. Was in Güstrow gefunden wurde, wollten Bundesanwaltschaft und Sicherheitsbehörden allerdings nicht bekannt geben. Der Beschuldigte soll an diesem Freitag dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden. Mit dem Güstrower sind nun insgesamt zehn Personen inhaftiert. Die Terrorgruppe plante, wie berichtet, Anschläge auf die Baustelle des jüdischen Gemeindezentrums in München und weitere von Ausländern besuchte Objekte.

Unterdessen scheinen sich die Hinweise zu verstärken, dass die Brandenburger, die mit den Münchner Terrorverdächtigen kooperiert haben sollen, selbst rechtsextrem sind. Zwei der zehn Inhaftierten stammen aus der Uckermark (Nordbrandenburg).

Nach Informationen des Tagesspiegels sind die beiden Männer bereits als rechtsextreme Straftäter in Erscheinung getreten. Einer soll im Jahr 2000 mit 20 weiteren Neonazis eine Gaststätte überfallen haben. Außerdem soll er eine Person mit Benzin übergossen und gedroht haben, sie anzuzünden. Das Opfer soll dann auch noch mit einem Elektrokabel gefoltert worden sein. Der mutmaßliche Täter von damals wird jetzt verdächtigt, mit Teilen von Maschinenpistolen und Maschinengewehren gehandelt zu haben. Der zweite Uckermärker ist offenbar aus einem zehn Jahre zurückliegenden Vorfall bekannt: 1993 überfiel eine Gruppe von Rechtsextremisten einen Zeltplatz. Die Täter riefen fremdenfeindliche Parolen und attackierten mehrere Personen.

Bislang hatten die Sicherheitsbehörden im Fall der beiden Brandenburger nur von mutmaßlichen Militaria-Händlern gesprochen. Unklar bleibt allerdings auch weiterhin, ob die beiden Männer aus der Uckermark gewusst haben, was die Münchner Neonazis planten. Diese hatten sich 1,7 Kilogramm Sprengstoff und zwölf Kilo sprengstoffverdächtige Substanzen beschafft. Ein Teil des Materials stammt offenbar aus alten Waffen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben