Politik : Münchner Rochaden

Stoiber muss sein Kabinett verjüngen – und einige Getreue erwarten bessere Posten als bisher

Albert Funk,Robert Birnbaum

Von Albert Funk

und Robert Birnbaum

Nicht einmal nach einigen Glas Champagner, die Edmund Stoiber in der Siegesnacht in den Südtiroler Stuben zu sich genommen hat, nicht einmal in gebremster Schampuslaune also hat sich Bayerns Ministerpräsident darüber ausgelassen, wie seine angekündigten Personalrochaden aussehen werden. Eine Woche noch will er über den neuen Kabinettszuschnitt nachdenken. Nur eines ist klar: Die angejahrte Führungstruppe der CSU soll mit neuen Gesichtern aufgefrischt werden, Stoiber will auch weibliche Verstärkung ins Kabinett holen. Die Verjüngung, vor der Wahl von Stoibers altem Widersacher Theo Waigel gefordert, erscheint umso dringlicher, als Stoiber seinen Wahlsieg dazu nutzen will, die Rolle der CSU in der Bundespolitik zu stärken. Und das alte Kabinett Stoiber bestand in bemerkenswerter Ballung aus Leuten um die 60.

Primärer Anlass für Rochaden ist die Entscheidung von Fraktionschef Alois Glück, nach 15 Jahren sein Amt abzugeben. Der 63-Jährige wird Landtagspräsident. Damit stellt sich für Stoiber die Frage, wem er die Führung der Fraktion anvertrauen will. Nach der klassischen Lehre sind Fraktionschefs so etwas wie natürliche Anwärter für höhere Aufgaben. Denn wer die Fraktion hinter sich weiß, der hat auch im höchsten Regierungsamt die nötige Unterstützung. Als Prätendenten gelten derzeit Staatskanzleichef Erwin Huber, ein Niederbayer mit lupenreiner Parteikarriere, und Innenminister Günther Beckstein, der sich auch überregional einen gewissen Ruf erarbeitet hat. Doch gehen ihm als Franken aus Nürnberg, wo die CSU nicht so stark ist, die nötigen Bataillone ab.

Huber, heißt es in München, hat nach jahrelanger Kärrnerarbeit für Stoiber als CSU-Generalsekretär, Finanzminister und Staatskanzleichef einen Wunsch frei. Der könnte auf den Fraktionsvorsitz hinauslaufen. Allerdings will Stoiber auch, dass Bayern sich finanzpolitisch im Bund noch stärker engagiert. Dann muss vielleicht doch der mit vielen Wassern gewaschene Huber ran, sollte Stoiber das dem derzeitigen Finanzminister Kurt Faltlhauser nicht mehr zutrauen.

So käme möglicherweise doch die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier für den Fraktionsvorsitz in Frage. Die 41-Jährige hat als Einzige ihrer Generation in der Partei Profil gewonnen und gilt langfristig als aussichtsreiche Anwärterin fürs Landesmutteramt, sollte Stoiber – Kanzlerkandidatur hin oder her – erst in einigen Jahren in München abtreten. Als Kultusministerin hat sie seit 1998 keine negativen Schlagzeilen gemacht. Als eigentliche Bewährungsaufgabe aber hat ihr Stoiber aufgegeben, als Bezirksvorsitzende das Münchner CSU-Skandalnest auszumisten – wo ausgerechnet ihr Bruder Max Strauß zu den Strippenziehern gehört. München ist für die CSU so etwas wie das Bermudadreieck für die Schifffahrt – nicht alle, die hineingeraten, kommen auch wieder heraus. Hohlmeier könnte ein parteinäheres Amt wie der Fraktionsvorsitz für ihre Parteiaufgabe gelegen kommen.

Mit einem Ministeramt, möglicherweise Wissenschaft und Bildung, darf CSU-Generalsekretär Thomas Goppel nach fünf Jahren als Mann fürs Grobe rechnen. Der 66-jährige Wissenschaftsminister Hans Zehetmair zieht sich zurück. Goppels Aufgabe als Generalsekretär übernimmt wohl der einstige JU-Chef Markus Söder. Als möglicher Nachfolger Hubers in der Staatskanzlei gilt der Fraktionsvize Joachim Herrmann. Er zählt mit 47 Jahren zur jungen Garde.

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