Münchner Sicherheitskonferenz : Bundesregierung will angeblich Teltschik ablösen

Horst Teltschik wird vorgeworfen, dem iranischen Atom-Unterhändler Ali Laridschani ein Forum für antimarikanische Propaganda geboten zu haben.

München - Die Münchner Sicherheitskonferenz im kommenden Jahr werde definitiv Teltschiks letzte sein, heißt es dem "Spiegel" zufolge in Berlin. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wollte den Bericht nicht bestätigen. Er sagte lediglich, über diese Fragen werde "in sehr enger Abstimmung" sowie "sehr freundschaftlich und partnerschaftlich" mit Teltschik entschieden. Wilhelm verwies zugleich auf den Erfolg der Sicherheitskonferenz in den vergangenen Jahren.

Dem ehemaligen Berater Helmut Kohls wird dem "Spiegel" zufolge auch ein allzu selbstherrliches Auftreten zur Last gelegt. Insbesondere im Ressort von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erzeugte Teltschik dem "Spiegel" zufolge Verstimmung, weil er bei der jüngsten Veranstaltung in München zwar eine Rüstungsfirma als Sponsor seiner "privaten Konferenz" lobte, für die massive Hilfe Berlins aber kein öffentliches Dankeswort fand.

Unter Teltschik wurden die Bundeszuschüsse verdreifacht

Seit 1999, als Teltschik die Leitung übernahm, musste dem Bericht nach der vom Verteidigungsministerium gewährte Zuschuss von 225.000 Mark auf 323.000 Euro fast verdreifacht werden. Die Bundeswehr stellte zudem 310 Soldaten bereit, unter anderem für "Organisation und Absicherung", mit Kosten von nochmals rund 520.000 Euro.

Laut "Spiegel" hatte schon die rot-grüne Bundesregierung vor einigen Jahren Teltschiks Ablösung erwogen. Der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) und sein Kollege im Außenministerium, Joschka Fischer (Grüne), sollen den Plan aber aus Furcht vor Kritik aus der Union verworfen haben.

Teltschik selbst wies die Spekulationen um seine Ablösung im "Münchner Merkur" zurück. "Das ist eine private Konferenz. Man kann mich gar nicht absetzen", betonte er. Man könne ihm lediglich die Mittel entziehen. Kritik der Bundesregierung an seiner Arbeit sei ihm "nicht bekannt", sagte Teltschik.

Abtreten will er erst, wenn ein Nachfolger gefunden ist

Die Überlegung, dass er die Leitung der Konferenz nach seiner zehnten Tagung im Jahr 2008 abgebe, stamme von ihm selbst. Als er diesen Gedanken vor einem Jahr geäußerte habe, hätten ihn Bundesregierung und bayerische Staatsregierung gebeten, weiterzumachen. "Wann ich meine Arbeit beende, wird letztlich davon abhängen, ob wir einen überzeugenden Nachfolger finden", fügte Teltschik hinzu.

Zu seiner Einladung an Laridschani sagte Teltschik, ihm könne kein Vorwurf gemacht werden. Der Auftritt von Laridschani sei mit der Bundesregierung abgestimmt gewesen. "Er führte in München auch bilaterale Gespräche mit Außenminister Steinmeier und dem EU-Außenbeauftragten Solana." (tso/ddp)

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