Mütter im Berufsleben : Das bisherige Rollenmodell bleibt etabliert

12.09.2011 12:41 UhrVon Armin Lehmann
Nach wie vor gilt in deutschen Haushalten: Vater arbeitet, Mutter kümmert sich um den Nachwuchs. Elterngeld und Ehegattensplitting befördern das. Foto: dpa
Nach wie vor gilt in deutschen Haushalten: Vater arbeitet, Mutter kümmert sich um den Nachwuchs. Elterngeld und Ehegattensplitting befördern das. - Foto: dpa

Heute sind zwar mehr Mütter als früher berufstätig, dafür arbeiten aber deutlich weniger in Vollzeit. Das hat der jüngste Mikrozensus des Statistischen Bundesamts ergeben. Was bedeutet das?

Die Antwort lautet: Kommt ganz darauf an, was man erwartet. Wenn es etwa darum geht, eine ausgewogene Teilhabe von Frauen und Männern am Berufs- und Familienleben zu erreichen, sind die Zahlen nicht sehr ermutigend.

Zwar ist der Anteil der insgesamt erwerbstätigen Frauen von 1991 bis 2009 gestiegen, bei der Teilzeit in den vergangenen zwölf Jahren sogar um 20 Prozent. Trotzdem kann man die Analysten des Statistischen Bundesamtes so verstehen, dass in Deutschland das bisherige Rollenmodell etabliert bleibt: Vater arbeitet, Mutter ist zu Hause oder arbeitet in Teilzeit.

Diese Aufteilung ist noch immer das mit Abstand häufigste Modell in diesem Land. Im Vergleich zu 1996 sind heute bei Ehepartnern und in Lebensgemeinschaften Frauen viel seltener, minus 20 Prozent, in Vollzeit tätig.

Die Politik und manche Familienforscher konzentrieren sich deshalb gerne auf die Zahl der erwerbstätigen Mütter in Teilzeit, die 2009 auf ein Rekordniveau gestiegen ist. In den neuen Bundesländern hat sich die Zahl der in Teilzeit arbeitenden Mütter sogar verdoppelt. Trotzdem ist fraglich, ob die Interpretation einer gelungenen Familienpolitik hier angebracht ist. Kritisch heißt es in der Auswertung des Statistischen Bundesamtes: „Eine hohe Erwerbstätigenquote beider Geschlechter steht nicht allein für eine ausgeglichene Integration in den Arbeitsmarkt.“

Die größte Gruppe dieser Frauen, die in Teilzeit – oder Vollzeit – arbeitet, ist die der alleinerziehenden Mütter, danach folgen Mütter ab dem 55. Lebensjahr. Innerhalb der Teilzeitbeschäftigung steigen zudem atypische Beschäftigungsverhältnisse an: geringfügig Beschäftigte, Zeitarbeitsverhältnisse. Immer öfter wird die Frau aufgrund der ökonomischen Lage zum Arbeiten gezwungen, beispielsweise weil der Mann arbeitslos wird. Arbeitsmarktforscher kommen in Studien zu dem Schluss: „In Bezug auf die Modernisierung der Geschlechterverhältnisse sind die Arbeitszeiten von Müttern und Vätern ernüchternd. Eine Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern deutet sich bisher nicht an.“

Was die Politik zur Zementierung der Geschlechterrollen beigetragen hat, lesen Sie auf Seite 2.

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