Politik : Mütter sorgen fürs Kind – Väter fürs Geld

Familienministerin Schmidt will mehr Männer am Wickeltisch. Bisher nehmen nur fünf Prozent Elternzeit

Hans Monath

Berlin - Der Anteil der Väter, die ganz oder teilweise zu Hause bleiben und sich um ihren Nachwuchs kümmern, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, liegt aber immer noch auf sehr niedrigem Niveau. Nach einer von Familienministerin Renate Schmidt (SPD) am Mittwoch vorgestellten Studie, stieg der Anteil der Väter an der Elternzeit von 1,5 auf rund fünf Prozent, seit das Gesetz (früher Erziehungsurlaub) 2001 geändert wurde. „Väter am Wickeltisch und in der Krabbelgruppe sind noch immer die Ausnahme“, sagte Schmidt. Nach Ansicht der Ministerin nehmen Männer das Angebot wenig in Anspruch, weil ihr Verdienst zu Hause gebraucht werde oder weil sie fürchteten, „sich auf der Karriereleiter ins berufliche Aus zu begeben“. Sie erwarte aber, dass der Väteranteil steige, da viele Männer für ihre Kinder beruflich erst dann zurücksteckten, wenn diese etwas älter sind.

Insgesamt zog die Ministerin eine positive Bilanz: „Die neue Elternzeit hat sich bewährt, sie wird stark genutzt und breit akzeptiert.“ Der Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit trage zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei. In 85 Prozent der anspruchsberechtigten Familien machen nach Angaben der Studie Eltern vom Angebot der Elternzeit Gebrauch. In 60 Prozent der Familien bleibt die Mutter in den ersten zwei Lebensjahren des Kindes ganz zu Hause, während der Vater weiter Vollzeit arbeitet.

Langfristig will die Ministerin das Erziehungsgeld so aufstocken, dass es „eine gewisse Lohnersatzfunktion“ übernehmen kann, und auch deutlich mehr Väter zur Teilnahme an der Elternzeit ermutigen. Dazu will Renate Schmidt Eltern Vorteile einräumen, bei denen nicht nur die Mutter für die Kinder beruflich zurücksteckt. Solche Pläne seien allerdings ,„Zukunftsmusik“, sagte Schmidt. Zuerst müsse die Betreuungssituation deutlich verbessert werden.

Bei ihrem Vorhaben zum Ausbau der Betreuungsangebote erhält die Ministerin nun nachhaltige Unterstützung von einer Initiative unabhängiger Frauen, die weit über den Sympathisantenkreis von Rot-Grün hinausreicht. Mit dem Plan zum Ausbau hochwertiger Halb- und Ganztagesplätze sei ein „wichtiger erster Schritt“ getan heißt es in dem Aufruf: „Bund, Länder und Gemeinden sind aufgefordert, den bedauerlichen und gefährlichen Rückstand an Betreuung und Bildung für Kleinkinder gemeinsam zu beheben.“ Zu den Unterzeichnern gehören die Schauspielerinnen Senta Berger und Hannelore Elsner, die Journalistinnen Sandra Maischberger und Wibke Bruhns, die Politikerinnen Rita Süssmuth (CDU) und Hildegard Hamm-Brücher (früher FDP), die Wissenschaftlerinnen Gesine Schwan und Christiane Nüßlein-Vollhardt sowie die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes, Ingrid Fischbach.

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