Politik : Mugabes Katastrophe

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Von Wolfgang Drechsler, Selous

Wo einst der Mupfure floss, wirbelt heute ein heißer Wind Staub durch die Luft. Der kleine Fluss, der sich durch Zentralsimbabwe windet, ist an einigen Stellen zum Rinnsal geworden, an anderen verschwindet er ganz im Untergrund. Auf den Feldern entlang des Ufers herrscht eine ungewöhnliche Stille. Soweit das Auge reicht, sieht man leere Flächen oder vertrockneten Mais.

Wieder einmal wird Afrika von einer schweren Dürre geplagt. Der Ernteausfall in Teilen des südlichen Afrika und die drohende Hungersnot haben Simbabwes Präsident Robert Mugabe zur Wochenmitte veranlasst, sein Land zum Katastrophengebiet zu erklären. Mit der zunächst auf drei Monate befristeten Proklamation hat Mugabe sich die Vollmacht erteilt, „außergewöhnliche Schritte“ zur Verteilung von Nahrungsmitteln zu ergreifen. So können Unternehmen gezwungen werden, Lieferwagen zum Transport von Hilfsgütern abzustellen.

Zahlen des Welternährungsprogramms (WEP) belegen die Not. Judith Lewis, WEP-Leiterin für Ost- und Südafrika, erwartet ein Desaster, wenn nicht in den kommenden vier Monaten große Nahrungsmittelrationen eintreffen. Allein in Malawi, Sambia und Simbabwe seien rund 2,6 Millionen Menschen betroffen. Doch die Reaktion der Geberländer ist verhalten. Simbabwe verbraucht jedes Jahr rund zwei Millionen Tonnen des Grundnahrungsmittels Mais. In diesem Jahr dürfte die Ernte bei maximal 700 000 Tonnen liegen. Korruption und die Politisierung der Verteilung, so Lewis, verschärfen die Krise. So hätten die Regierungen von Simbabwe und Malawi wider besseren Wissens strategische Getreidereserven verkauft. Das Geld sei wohl an die Machthaber zurückgeflossen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Hungersnot in Simbabwe, so Lewis, seien die seit über zwei Jahren andauernden Landbesetzungen. Inzwischen hat die Regierung in Harare 5069 der rund 6000 hochproduktiven Großfarmen weißer Landwirte zur Zwangsenteignung freigegeben. Symptomatisch ist die Lage auf der Biri River Farm nahe des Ortes Selous, die Richard Arlett-Johnson seit sieben Jahren pachtet. Im März 2000 besetzte eine Gruppe von 20 „Kriegsveteranen“ sein kleines Anwesen. Als die Banken ihm wegen der unsicheren Rechtslage ein wichtiges Darlehen sperrten und die Landbesetzer die Aussaat seiner Tabaksetzlinge verhinderten, musste Arlett-Johnson 40 seiner 54 Arbeiter entlassen. Die Veteranen haben selbst den Landarbeitern verboten, Mais für den Eigenbedarf zu säen.

Die Folgen: Die Farmarbeiter auf der Biri River Farm sind gänzlich auf die Lebensmittelpakete des Zimbabwe Community Development Trust (CDT) angewiesen. Bislang durfte diese Organisation nur in drei Provinzen operieren - ausnahmslos Hochburgen der Regierung. Die Hochburgen der Opposition seien bei der Verteilung bislang ausgespart worden, sagt CDT-Mitarbeiter Petros Nyatsanza. Leidtragende sind vor allem die 350 000 Farmarbeiter, die auf den Höfen der weißen Landwirte ihren Lebensunterhalt verdienen.

Einer von ihnen ist Caleb, der seit mehr als 20 Jahren für Arlett-Johnson arbeitet. Caleb ist verheiratet, hat vier Kinder und einen Zun, den er aber lieber für sich behalten will. Er ist wütend auf die Kriegsveteranen und die Machthaber in Harare. Früher habe er etwas eigenen Mais angepflanzt, für den weißen Farmer auf dem Feld gearbeitet und am Ende der Erntezeit stets Geld in der Tasche gehabt. Jetzt habe er weder Geld noch Mais. Die Zukunft, sagt er, sei düster. „Wir haben genug von Mugabe, aber wir halten den Mund. Sonst schicken sie auch hier ihre Schlägertrupps vorbei“.

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