Politik : Multikulti ist oft nur Theorie

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Als Boxer Amir Khan aus dem englischen Bolton bei den Olympischen Spielen eine Silbermedaille erkämpfte, schwenkte die Mutter eine pakistanische und eine britische Flagge. Der Boxer wurde als „britischer Muslim“ gefeiert. Dieser Begriff beschreibt seit den Rassenunruhen in Bradford und Oldham 2001 die offizielle britische Integrationspolitik: nicht Assimilation, sondern ein Zusammenleben, bei dem die Unterschiede und die Identität der ethnischreligiösen Gruppen respektiert werden. Innenminister David Blunkett fördert islamische Schulen . Schleier sind nicht verboten. Doch in der Praxis hapert es mit dem pragmatischen Multikulturalismus. Der offizielle Bericht über die Unruhen von 2001 sprach von „parallelen Leben“ der Bevölkerungsgruppen. Der Integrationswille asiatischer Einwanderer – der größten Muslimgruppe – habe nachgelassen und sei durch einen „Kolonialismus“ ersetzt worden, der die „existierende Kultur durch die eigene ersetzen wolle“. Nun sollen kommunale Kohäsionsprogramme die Gruppen besser vernetzen. Dabei hat der Innenminister noch nicht einmal das Geld für die von ihm verordneten Einwanderer-Englischkurse bereitgestellt.Matthias Thibaut

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