Museum der Moderne : Wider das Flickwerk

Der Ideenwettbewerb zum Museum der Moderne auf dem Kulturforum weckt die Hoffnung, dass aus einem unwirtlichen Ort ein wirtlicher wird. Ein Kommentar.

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Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) (2.v.r.) zeigt während einer Pressekonferenz zum Ideenwettbewerb für das Museum des 20. Jahrhunderts auf den vorgesehenen Bauplatz am Kulturforum.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) (2.v.r.) zeigt während einer Pressekonferenz zum Ideenwettbewerb für das Museum des...Foto: dpa

Recht unspektakulär wurde jetzt der „Ideenwettbewerb“ zum Museum der Moderne gestartet, das am Kulturforum, zwischen Philharmonie, Matthäikirche und Neuer Nationalgalerie, auf der Freifläche an der Potsdamer Straße entstehen soll. Ideenwettbewerb! So heißt der erste Teil eines zweistufigen Verfahrens, bei dem noch nicht der finale Gebäudeentwurf, sondern die Idee dazu gefunden werden soll, bevor im zweiten Teil, dem Realisierungswettbewerb, eben diese Wahl aus einem engeren Teilnehmerkreis getroffen werden soll. Aber was für ein schönes Wort ist „Ideenwettbewerb“ im Hinblick auf das Kulturforum, diese ungeliebte Ansammlung von Bauten für die Kultur zwischen Tiergarten und Landwehrkanal! Denn insgeheim verbirgt sich in dem nun von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Träger des künftigen Museums ausgelobten, doch vom Bund auf Initiative von Kulturstaatsministerin Monika Grütters finanziell ermöglichten Vorhaben um den besten Architekturentwurf etwas anderes: ein Wettbewerb um die beste Idee für die Vollendung des so beschämend unvollendeten Kulturforums.

"Belebung" allein würde schon genügen

Vielleicht sollte man nicht auf Vollendung hoffen – „Belebung“ allein würde schon genügen. Wem das zu banal klingt, möge „Urbanisierung“ sagen. Denn darum geht es doch: aus der Versammlung einzelner, jeweils hochbedeutender und zumeist auch vielgenutzter Bauten ein Ganzes zu schaffen, ein Ganzes , das nach geläufiger Vorstellung mehr werde als die Summe seiner Teile. Allein, eine solche Summe ist derzeit nicht im Entferntesten auszumachen. Sie ist schon seit Jahrzehnten nicht zu erkennen, und diese ernüchternde Wartezeit auf etwas, das offenbar nie kommen wird, zieht die vorhandenen Bauten und die in ihnen dargebotene und geschaffene Kultur in Mitleidenschaft. Muss man sich, etwa wenn man Besucher aufs Gelände führt, nicht jedes Mal beinahe entschuldigen dafür, dass es sie hierher verschlagen hat?

Und nun soll mit einem Mal gelingen, was seit bald einem halben Jahrhundert nicht gelang? Nein, ausgemacht ist nichts. Gewiss, mit einiger Wahrscheinlichkeit wird ein respektabler Entwurf für das Museumsgebäude gefunden werden, sei es aus der vielhundertfachen Zahl der anonymen Einreichungen, sei es, im Realisierungswettbewerb, unter den dann zugeladenen Schwergewichten der Architektenschaft. Ob aber ein Entwurf dabei ist, der – ohne dass das im Wettbewerb strikt gefordert wäre – das Ensemble der Solitäre mitbedenkt, der sich gedanklich und baukünstlerisch auf die Vielfalt der Häuser für Musik, Kunst, Literatur und Wissenschaft ausrichtet, ist nicht ausgemacht. Nur zu hoffen.

1985 war es ein starker politischer Wille, der den Weiterbau der in Beton gegossenen Ödnis der Museumsbauten am Rand des Kulturforums stoppte. Zu einem Gegenentwurf indessen reichte es seither nicht, sondern allenfalls zu Flickwerk – und zu allerlei Modellspielereien ohne Konsequenz. Jetzt ist es wiederum ein politischer Wille, der das dringend benötigte Museum der Moderne ermöglicht. Ja, nicht alle Bedenken sind ausgeräumt – ihrer gibt es viele und wird es immer geben. Als Bremssand. Doch nun kommt Bewegung auf, werden Gehirne angestrengt, Entwürfe er- und bedacht. Es besteht erstmals seit Jahrzehnten die Aussicht, aus dem unwirtlichen Ort einen wirtlichen zu machen. Ein Stück Stadt vom Besten. Im Herzen Berlins.

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