Politik : Museumsinsel: Unesco-Prüfer gegen Neubau

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Berlin - Die Neubaupläne für die Berliner Museumsinsel werden zunehmend infrage gestellt. Nach dem Bundesrechnungshof hat sich jetzt auch der internationale Rat für Denkmalpflege (International Council on Monuments and Sites, kurz: Icomos) gegen den Entwurf für das neue zentrale Eingangsgebäude am Kupfergraben ausgesprochen. „Wir haben große Bedenken gegen den Anbau“, sagte Icomos-Präsident Michael Petzet dem Tagesspiegel. „Es fehlt die visuelle Integrität gegenüber den benachbarten Gebäuden.“ Die in München sitzende nichtstaatliche Organisation Icomos fungiert als Gutachter für die Unesco, die Kulturorganisation der UN, die den Schutz des architektonischen Welterbes überwacht. Dazu zählt auch die Museumsinsel.

Architekt David Chipperfield sieht die Kritik als konstruktive Anregung. „Die von Herrn Petzet im Namen des internationales Rats für Denkmalpflege geäußerten Kritikpunkte werden im weiteren Prozess mit berücksichtigt“, teilte Nina Helten vom Büro Chipperfield mit. Über die Einzelheiten zur Gestaltung des James-Simon-Galerie genannten Neubaus sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist mit dem Büro David Chipperfield Architects darüber im Gespräch.“

Auch die Unesco-Gutachter gehen davon aus, dass für die Museumsinsel eine einvernehmliche Lösung gefunden wird. In der Vergangenheit hat die Weltorganisation allerdings wiederholt mit Sanktionen gedroht, wenn ihr ein Weltkulturerbe durch Baumaßnahmen bedroht erschien. So hat das Unesco-Welterbekomitee vor gut einem Monat die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal wegen eines geplanten Brückenbaus auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt. lvt

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