Politik : Muskel-Politik

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Sehr geehrte Frau Schröder-Köpf, wir wenden uns an Sie mit einer ungewöhnlichen Frage: Können Sie uns sagen, wie verspannt der Rücken von Gerhard Schröder ist? Diese Bitte geht nur deshalb an Sie, weil bisher nicht bekannt geworden ist, dass sich Ihr Gatte von einem Masseur oder Physiotherapeuten pflegen ließe, der Auskunft über den Körpers des Kanzlers geben könnte. Wie wir darauf kommen? Fast alles, was in den USA gerade en vogue ist, kommt bald auch nach Deutschland, denken Sie nur an den Ghettoblaster oder die Niedrigsteuern. Warum nicht auch die „body politics“, welche die Amerikaner an Bob Woodwards Buch „Plan of Attack“ faszinieren? Demnach vertraute George W. Bush bei seiner Entscheidung für den Irakkrieg der Körpersprache seiner Berater mehr als deren Text. Wirkte die Generalstabschef-Gestik entschieden, hörte er auf ihn. Dass Vater Bush damals in den Golfkrieg ziehen wollte, wusste auch als Erste seine Masseurin: Sie spürte an den Nackenmuskeln, dass die Entscheidung ganz nah war.

Wir wissen sehr wohl, Frau Schröder-Köpf, dass Ihr Gatte weder mit noch ohne Stirnrunzeln für den Irakkrieg war. Aber die Lage ist, verzeihen Sie die schroffe Wendung, doch so ernst, dass wir jede Auskunftsquelle nutzen, um uns ein Bild zu machen. Also, geehrte Adressatin, sind die Nackenmuskeln Ihres Gatten in Erwartung neuer Steuerausfälle, Querelen um die Hartz-Reform und mieser Umfragewerte hart wie ein Brett? Oder rollen die Arme rund in den Schultergelenken, weil der Körper des Kanzlers sich locker auch ein Leben ohne Staatsamt vorstellen kann? In Erwartung Ihrer Antwort, sehr geehrte Frau Schröder-Köpf, verbleibt mit freundlichen Grüßen, Ihr

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