Politik : Muslimbrüder wollen noch mehr Macht Doch eigener Kandidat für Ägyptens Präsidentenwahl

Kairo - Die ägyptische Muslimbruderschaft setzt zum Sprung in den Präsidentenpalast an. Die Islamisten-Bewegung kündigte an, sie werde entgegen früherer Ankündigungen nun doch einen eigenen Kandidaten für die Wahl des Präsidenten aufstellen. In liberalen Kreisen rief diese Ankündigung große Sorgen hervor. Mit 56 zu 52 Stimmen nominierte die Bewegung, die für eine Islamisierung des Staates eintritt, ihren stellvertretenden Vorsitzenden Chairat al Schater. Al Schater (62) hat gute Chancen, die Nachfolge des im Februar 2011 entmachteten Ex-Präsidenten Husni Mubarak anzutreten.

Der Oberste Militärrat, der nach Mubaraks Abgang die Kontrolle übernommen hatte, soll nach der Wahl seine Macht an den neuen Präsidenten abtreten. Im Falle eines Wahlsieges könnte die Muslimbruderschaft ihren ohnehin schon großen Einfluss auf die Gesellschaft weiter festigen. Die Bruderschaft gewann mit ihrer Partei der Freiheit und Gerechtigkeit bereits bei der Parlamentswahl fast die Hälfte aller Mandate und dominiert zusammen mit den radikal-islamischen Salafisten auch die Verfassungsgebende Versammlung.

Al Schater hatte in Interviews jede Absicht bestritten, Präsident zu werden. Auch die Muslimbruderschaft hatte mehrfach betont, keinen Kandidaten für die Präsidentenwahl nominieren zu wollen. Ihre Kehrtwende begründete die Bruderschaft jetzt mit ernsthaften Gefahren, die angeblich der Revolution drohten. Die Wahl beginnt am 23. Mai. Die Stichwahl soll am 16. und 17. Juni stattfinden. dpa

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