Muslime in der CDU : „Uns verbindet nicht Erdogan, sondern der Islam“

Cihan Sügür ist Sprecher des Bündnisses „Muslime in der Union“. Ihm wird eine zu große Nähe zum türkischen Präsidenten Erdogan vorgeworfen. Ein Porträt.

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Cihan Sügür im türkischen Fernsehen.
Cihan Sügür im türkischen Fernsehen.Screenshot: Youtube/Cihan Sügür

Für manche CDU-Mitglieder ist Cihan Sügür ein rotes Tuch. Ein Wichtigtuer sei er, der mit seiner neuen innerparteilichen Initiative „Muslime in der Union“ (MIDU) eine Unterwanderung mit Erdogan-Anhängern vollziehen wolle.

Er trage dazu bei, dass türkischstämmige Unionsmitglieder nun dem Generalverdacht ausgesetzt seien, dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan treu ergeben zu sein. Andere geben sich eher wortkarg im Hinblick auf Sügür und die Islam-Initiative, deren Sprecher er ist.

Der 26-Jährige weist den Vorwurf der Unterwanderung durch Anhänger von Erdogans Regierungspartei AKP von sich. Was rund 30 MIDU-Mitglieder verbinde, sei nicht Erdogan, sondern ein konservatives Leben des Islams, sagte er dem Tagesspiegel. Die türkische Politik sei kein Ratgeber für muslimisches Leben in Deutschland.

Sügür ist der Sohn türkischer Einwanderer und in der Ruhrgebietsstadt Dortmund aufgewachsen. Mittlerweile lebt er in Frankfurt am Main und arbeitet bei der Deutschen Bahn. Die Gründung von MIDU solle nicht als Rebellion verstanden werden, sondern als Möglichkeit, sich einzubringen.

Nicht alle sind eingeladen

Allerdings sorgte eine Veranstaltung des muslimischen Bündnisses Anfang Juli für Unmut in der CDU. Liberale Muslime und solche muslimische Abgeordnete, die der Armenien-Resolution im Bundestag zugestimmt hätten, seien nicht eingeladen worden, hieß es in einer Reportage von „Report Mainz“.

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In dem Beitrag gibt Sügür auch freimütig zu, gewisse Mitglieder von vornherein nicht eingeladen zu haben, da der Zusammenschluss sonst eine „Totgeburt“ sei. Man müsse schon eine gewisse "Credibility" in der Community haben.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber sah sich hinterher zu einer Stellungnahme gezwungen, weil die Moderatorin der Veranstaltung fälschlicherweise behauptet hatte, dieser habe ein Grußwort gesendet. Dem Tagesspiegel sagt Sügür, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. „Herr Tauber hat kein Grußwort überreicht, nur seine Grüße ausrichten lassen.“ Jedenfalls werde man künftig „breitere Schichten der Gesellschaft“ zu Veranstaltungen einladen.

Ungeachtet der Misstöne aus der eigenen Partei fühlt sich Sügür dort bestens aufgehoben. „Die CDU verspricht eine Empathie gegenüber religiösen Menschen.“ Ob man Christ oder Muslim ist, sei egal, im Glauben an Gott habe man eine gemeinsame Grundlage. Einen Posten in der Partei will er nicht übernehmen. „In der Politik engagiere ich mich aus Liebe zu Deutschland, in das meine Eltern aus der Türkei eingewandert sind.“

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