Politik : Muslime kritisieren EKD-Papier

Andrea Dernbach

Köln/Berlin - Die im Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) zusammengeschlossenen Verbände haben sich mit massiver Kritik gegen eine offizielle „Handreichung“ der evangelischen Kirche zum Umgang mit den Muslimen gewehrt. In einem neunseitigen Papier, das der Zentralrat der Muslime, der Islamrat, die türkisch-islamische Ditib und der Verband der Islamischen Kulturzentren am Donnerstag veröffentlichten, werfen sie der Leitung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor, mit dem Papier unter dem Titel „Klarheit und gute Nachbarschaft“ Klischees und Vorurteile gegen Muslime zu bedienen und den Islam als gewalttätig zu brandmarken. Die Verbände werfen den Autoren außerdem vor, wenig vom Islam zu verstehen: So werde einem angeblichen islamischen Eheverständnis das christliche entgegengesetzt, „ein rein materieller geistloser Akt“ das eine, ein Gelöbnis „der aufopfernden Liebe und lebenslangen Treue“ das andere. Aber auch der Koran sehe die Ehe als Bund in „Liebe und Barmherzigkeit“; nur regele er auch den rechtlichen Teil, weil der Islam keine Trennung zwischem Weltlichem und Heiligem kenne.

Die vier muslimischen Verbände werden sich am kommenden Mittwoch mit dem Vorsitzenden der EKD, Berlins Bischof Wolfgang Huber, treffen. Im Februar hatten sie einen Termin mit Huber wegen des Papiers abgesagt. Sie hatten sich vor allem massiv an der Aussage des Textes zur Mission gestört. Im Kapitel „Die Wahrheit und die Toleranz der christlichen Mission“ heißt es: „Christliche Mission bedeutet jedoch mehr als respektvolle Begegnung. Sie umfasst das Zeugnis vom dreieinigen Gott (…) Es ist für die evangelische Kirche ausgeschlossen, dieses Zeugnis (…) Angehörigen anderer Religionen schuldig zu bleiben.“ Mission sei, so schreiben die Muslime, zwar das „Recht einer jeden Religion und elementarer Teil der Religionsfreiheit“. Dass ein Text zum Dialog aber „mit einem Hohelied auf die Mission beginnt“, sei irritierend. Im christlich-jüdischen Dialog etwa verzichte die EKD darauf ausdrücklich.Andrea Dernbach

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