Politik : Muslime loben aufrechten Papst Syriens Präsident Assad will zur Beisetzung reisen

Andrea Nüsse[Kairo]

Nicht nur die Christen in der arabischen Welt trauern um Johannes Paul II. Auch viele Muslime gedenken des verstorbenen Papstes als eines „Vermittlers“ zwischen den Religionen und eines aufrechten Mannes, der sich keinem politischen Druck beugte. Johannes Paul II. hat in seiner Amtszeit fünf Länder des Nahen Ostens sowie die Palästinensergebiete besucht und als erster Papst 2001 in Damaskus ein muslimisches Gotteshaus betreten. Auch seine moralische Unterstützung für die Palästinenser und seine Ablehnung des amerikanischen Angriffs auf den Irak haben ihm bei Muslimen in der Region viele Sympathien eingebracht.

Ägypten, dessen Bevölkerung zu etwa 15 Prozent Christen (Kopten) sind, ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Der Scheich der Al-Azhar Moschee in Kairo, der höchsten Institution der Sunniten, erklärte, der Tod des Papstes sei ein „großer Verlust für die katholische Kirche und die Muslime“. In Jordanien, das der Papst 2000 besuchte, wehen die Fahnen auf halbmast. Und der syrische Präsident Baschar al Assad will zur Beisetzung nach Rom reisen, aus Respekt um die Bemühungen des Papstes, „Frieden und Gerechtigkeit“ auf der Welt zu verbreiten. Johannes Paul II. hatte bei seinem Besuch in Syrien 2001 die große Umajjaden-Moschee in Damaskus besichtigt und am Schrein, der den Kopf Johannes des Täufers enthalten soll, innegehalten. In Syrien hatte Johannes Paul II. indirekt Israel kritisiert, indem er zur „Rückkehr zum internationalen Recht“ aufforderte, worunter der Respekt vor UN-Resolutionen und das Verbot gewaltsamen Landerwerbs falle. Er hatte auf syrischer Seite die Golanhöhen besichtigt, die von Israel besetzt sind.

In Libanon, wo fast die Hälfte der Bevölkerung Christen (Maroniten) sind, wurde an den Besuch des Papstes 1997 erinnert, bei dem er zu friedlicher Koexistenz der Religionsgemeinschaften aufrief. Selbst in Saudi-Arabien, wo die Ausübung anderer Religionen als des Islam verboten ist, titelte die Zeitung „Al Riad“ am Montag mit der Schlagzeile: „Die Welt trauert um den Papst“. Die katarische Tageszeitung „Al Watan“ hob hervor, dass Johannes Paul II. eine „neue Ära in den Beziehungen zwischen muslimischer und christlicher Welt eingeleitet hat“.

Satelliten-Sender unterbrachen am Samstagabend ihre Programme, um den Tod des Papstes mitzuteilen. Al Dschasira und Al Arabija brachten ausführliche Berichte über das Leben des Papstes, ihre Korrespondenten berichteten live aus dem Vatikan und von den heiligen christlichen Stätten in Israel und Palästina. Nur auf islamistischen Websites wurde diese Berichterstattung kritisiert.

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